Hinweis: Es gibt zum Artikel auch eine komplette Bildergalerie!
Letzten Samstag waren wir endlich nach dem Winter mal wieder auf Tour. Mit dem ICE ging es von Siegburg in das schöne Nürnberg in Franken. Wieder einmal galt es früh aufzustehen, um 5:43 ging der direkte Zug Richtung München. Um Punkt 9:00 hielt der Zug in Nürnberg und wir blickten in einen bewölkten Himmel. Immerhin war für Nachmittags Sonne angesagt. Das erste was wir nach dem überqueren der Straße erblickten, stimmte uns fröhlich für den Tag, eine wunderschön orangene Jägermeisterbahn!
Nach der Dokumentation eben jener ging es in die Altstadt. Direkt am Stadttor, dass sich am Hauptbahnhof befindet, gibt es den (offensichtlich für Touristen) schön restaurierten Waffenhof, komplett mit kleinen Fachwerkhäuschen. Leider wurde nur Touristenramsch und Essen verkauft, schön anzusehen war es immerhin.
In der Stadt an sich mussten wir ernüchternd feststellen, dass es auch im Süden die ewig selben Ketten an Kaufhäusern und Ähnlichem gibt. Praktischerweise konnte ich dann meine neuen CF-Karten für die Kamera auch direkt in einem Kaufhof erwerben. Allerdings ist anzumerken, dass die Kaufhäuser durchweg in schönen Gebäuden angesiedelt waren. Ganz im Gegensatz zu den bunkerähnlichen Betonbauten im Westen.
Nach einem zweiten Frühstück bei McDonald’s und einigem Herumirren in der Stadt ging es über einer der zahlreichen Donaubrücken zum Hauptmarkt. Überhaupt fällt beim Schlendern durch die Stadt die hohe Anzahl der Märkte auf, aber auch die alten Straßennamen. Kaum eine Straße im Zentrum ist nach Personen benannt, eher nach den Eigenschaften der Straße oder Gasse selbst.
Spätestens wenn man am Markt angekommen ist, bemerkt man die extrem hohe Dichte an verschiedenen Kirchen. Selbst wenn man Köln gewohnt ist, fühlt man sich schon fast bedrängt von soviel Geistlichkeit. Die Kirchen sind jedoch ausnahmslos sehr schöne, alte Bauten. Kriegsschäden scheinen doch eher rar zu sein, oder – wenn vorhanden – fast unsichtbar beseitigt worden zu sein.
Vorbei am historischen Rathaus, mit dem wunderschönen Nürnberger Stadtwappen, geht es vorbei an den obligatorischen Bratwürsthäusern, bis hoch zu Kaiserburg. Ob als Touristenattraktion, oder tatsächlich einfach so nur beliebt, jedenfalls gibt es diese Bratwürsthäuser in großer Menge. In der “normalen” Innenstadt finden sich die Bratwurststände auch wieder (mindestens zwei Würstchen pro Brötchen), allerdings in eher nüchtern-modernen Metall- und Glasbuden. In Richtung Kaiserburg wird die Straße immer steiler, doch der Aufstieg lohnt sich. Die Burg ist in erstklassigem Zustand, inklusive Gräben und Gärten. Eine wirklich sehr schön restaurierte Burg, Führungen (die wir nicht wahrgenommen haben) werden natürlich auch durchgeführt. Unser Blick hinab auf Nürnberg war nur durch das Wetter ein wenig getrübt. Wenn man in der Burg, durch die Gärten geht, findet man an der hintersten Ecke einen schmalen Durchgang, der einen wunderschönen Ausblick auf die Altstadt gestattet. Der Punkt ist allerdings wirklich gut versteckt, aber – wie gesehen – auffindbar. Die Toiletten (am Garten) sind übrigens eher mangelhaft, wenn man es nicht allzu dringend hat, sollte man die Benutzung einfach verschieben.
Nach dem Abstieg ging es über einige Umwege wieder zurück zum Hauptbahnhof. Dort wurden wir von bereits munter betrunkenen und singenden Fußballfans begrüßt. Unglücklicherweise spielte Nürnberg nämlich gegen Bayern München, was entsprechend viel Publikum anzog. Da unser Ziel das ehemalige Reichsparteitagsgelände der NSDAP war, machten wir uns nicht allzu große Sorgen, wir wollten ja nicht zum Stadion. Jedenfalls dachten wir das. Auf dem Bahnsteig, wo die S2 Richtung Dutzendteich fuhr (warum das so heißt, wird später erläutert), sammelten sich einige Fußballfans. Etwa 15 Minuten vor der Abfahrt wurde es dann zunehmend voller. Zu den pöbelnden Nürnbergfans gesellten sich relativ zügig auch welche aus München. Diese wurden von Polizisten in recht umfassender Körperpanzerung begleitet. Günstigerweise wurden die beiden Gruppen genau dort getrennt, wo wir standen - also standen wir genau zwischen den sich gegenseitig ansingenden Fangruppen. Ein nettes Erlebnis, ohne Kameraausrüstung hätte ich mich eventuell sogar wohl gefühlt. Nach kurzer Zeit kam dann auch der Zug, wir wanderten bis fast ans Ende. Hier gab es etwas weniger Polizei und durchweg nur noch gemäßigte Fans. So war der Zug zwar auch voll, aber immerhin drohten sich nicht gerade zig Leute direkt neben uns zu Prügeln.
Dutzendteich lag glücklicherweise exakt eine Station vor dem Stadion, wir konnten den Massen also recht gut entweichen. Rund um das Gelände waren aber immer noch viele Fans unterwegs, das heutige Stadion liegt nämlich noch immer auf Teilen des Geländes. Ebenso wie der Norisring. Nach einem wirklich kurzen Fußmarsch erreichten wir das Dokumentationszentrum. Da das Wetter immer noch nicht so recht aufgeklart war, gingen wir erstmal hinein und sahen uns die Ausstellung an.
Die Eintrittspreise sind durchaus bezahlbar, 5€ normal und 2,5€ ermäßigt wurden verlangt. Kostenlos dazu gab es einen Audioguide, der auch zum Teil auch nötig ist. Zum einen kann man sich sämtliche Schautafeln vorlesen lassen (die Nummern sind auf jeder Tafel aufgedruckt), aber vor Allem wird der Ton der zahlreichen Videowände ausschließlich über den Audioguide übertragen. Also: Das Ding nicht am Anfang vergessen, denn ohne Ton sind die meisten Videos nicht einmal halb so sinnvoll. Die Tafeln konnte man dann doch schneller lesend erfassen.
Die Ausstellung basiert zum größten Teil auf Information, weniger auf ausgestelltem Material. Zu Beginn wird generell über die Machtergreifung informiert, im Anschluss aber auch auf die frühe Rolle Nürnbergs eingegangen. Die Geschichte der Reichsparteitage an sich wird relativ ausführlich beleuchtet, ebenso wie der Bau des Geländes. Zum Teil liegen einige Dokumente aus, die aus der Zeit des Baus stammen und die Abläufe dokumentieren. Nach der Schilderung des Baus und der Geschichte wird noch einmal auf die Verwendung der Zwangsarbeiter bei der Rohstoffgewinnung eingegangen, im speziellen auf Nahe gelegene KZs, in denen der Granit gewonnen wurde. Die Ausstellung schließt mit einer Dokumentation der Nürnberger Prozesse ab, die auch mit vielen Berichten und Audiobeiträgen ergänzt wurde. Für mich persönlich der informativste Teil der Ausstellung.
Kurz vor dem Ausgang bekommt man neben einem letzten Video, in dem einige lokale Zeitzeugen der Parteitage befragt werden, die Möglichkeit sich die Kongresshalle noch einmal von Innen anzusehen. Von Außen wirkt das Gebäude jedoch wesentlich beeindruckender, vermutlich auch wegen der Höhe. Insgesamt eine lohnende Ausstellung, auch wenn sie zu Beginn etwas viel Allgemeinwissen vermittelt. Wenn man sich mit dem Thema schon einmal beschäftigt hat, kann in den ersten Räumen recht selektiv nur die Geschichte Nürnbergs und der Parteitage betrachten, dann hat man für den Rest mehr Zeit.
Außen klarte das Wetter endlich etwas auf. Wir gingen um die offene Seite der hufeisenförmigen Halle herum, am so genannten Dutzendteich entlang. Das Gelände war bereits vor der Besetzung durch die NSDAP ein Naherholungsgebiet für die Nürnberger, das teils auch gegen den Willen der Bürger im allgegenwärtigen Größenwahn des Führers umgestaltet wurde. Nach Kriegsende wurde das Gelände teilweise wieder umgenutzt und ist heute Gebiet für viele Spaziergänger aber auch Veranstaltungen. Erst wenn man das Gebäude um rundet hat, sieht man die bereits fertiggestellte Granitfassade, die einen guten Teil der beeindruckenden Erscheinung ausmacht. Neben dem Gebäude fand gerade ein Jahrmarkt statt, dessen Riesenrad einen guten Vergleich zuließ. Wesentlich höher war es jedenfalls nicht. Weiter ging es über die Große Straße, die während des Fußballspiel als Parkplatz genutzt wurde. Trotz der vielen parkenden Autos, sah man die riesigen Dimensionen dieser Aufmarschstraße, die vom Kongresshalle in Richtung Märzfeld geht. Direkt an der Halle teilt sie den Dutzendteich, weiter hinten liegt auf ihrer Linken das Zeppelinfeld und zu ihrer Rechten die spärlichen Reste des Deutschen Stadions. Die Straße endet dann im ehemaligen Märzfeld, von diesem ist heute allerdings nicht mehr viel zu sehen.
Also machten wir uns auf die Straße hinauf, um hinter dem Dutzendteich nach rechts abzubiegen. Die Reste des Deutschen Stadions sind tatsächlich sehr spärlich, eigentlich sieht man nur noch die riesige Baugrube, die heute ein See ist: Der so genannte Silbersee. Da dort nicht wirklich viel zu sehen war, überquerten wir die Große Straße auf die linke Seite und gingen am Dutzendteich entlang. Nach einem Rechtsschwenk erreichten wir das Zeppelinfeld, dass leider nicht betreten werden konnte. In diesem sind heute Sportanlagen errichtet, mindestens zwei Fußballplätze waren zu erkennen. Nur die ehemalige Haupttribüne ist zugänglich, heute die Haupttribüne des Norisrings. Der Umfang des Feldes ist riesig, es könnte von den Dimensionen mit Sicherheit auch vier Fußballplätze beherbergen. Die alten Tribünen sind noch sehr gut zu erkennen und (anscheinend) sind noch alle Türme erhalten, auf denen Flakscheinwerfer und Fahnenmasten aufgestellt wurden. Trotz Verbotsschildern war die Haupttribüne leider in Benutzung von Skatern. Es scheint nicht das einzige Mal gewesen zu sein, wenn man sich die abgetragene unterste Steinstufe ansieht. Generell ist die Anlage noch in einem sehr guten Zustand.
Die Besichtigung des Zeppelinfeldes war begleitet von der sehr lauten Fußballarena, in der das Spiel mittlerweile angefangen hatte. Durch die lauten Gesänge, die in noch guter Zimmerlautstärke zu uns drangen, bekam der Ort noch einmal eine weitere Dimension, die damalige Anwesenheit der Menschenmengen war bereits auf den Videos des Dokumentationszentrums beängstigend und beeindruckend. Durch die reale Geräuschkulisse wurde dieser Eindruck noch einmal verstärkt. An der Stelle der heutigen Fußballarena stand zu NS-Zeiten das Stadion der Hitlerjugend, dieses wurde also einfach nach dem Krieg weitergenutzt und erweitert.
Zurück ging es auf der anderen Seite des Dutzendteichs. Das Wetter war mittlerweile als quasi perfekt zu bezeichnen. Nach ein paar besseren Bildern der Vorderseite des Dok-Zentrums, inspizierten wir noch einmal den Gewölbegang, der im Erdgeschoss um die Kongresshalle führt. Hier sieht man noch einmal die präzise gearbeiteten Steine. Das Objekt wurde ganz offensichtlich zum Herzeigen und weniger zum Nutzen gebaut.
Als Abschluss überquerten wir die Straße vor der Kongresshalle um zum Luitpoldhain zu gelangen, wo die ersten großen Aufmärsche stattfanden. Die ehemalige Luitpoldarena kann man nur noch erahnen, das Ehrenmal ist allerdings noch vorhanden, war leider jedoch eingerüstet und weder zu sehen, noch zu begehen. Erkennbar waren nur die Sockel, auf denen damals die Flammenschalen brannten. Nach einer ausgedehnten Pause ging es daher wieder zum S-Bahnhof zurück.
Insgesamt hat das Gelände einen großen Eindruck hinterlassen. Es wirkt allerdings ziemlich wahnsinnig, solch eine Anlage für gerade mal jährlich stattfindende Ereignisse zu errichten. Architektonisch ist die Anlage von Mammon geprägt und wirkt unheimlich beeindruckend. Es fällt schwer sich die Dimensionen vorzustellen, wäre die gesamte Anlage fertiggestellt worden. Generell bieten das Gelände und das Dokumentationszentrum einen guten Einblick vor Allem in die frühe Geschichte des NS-Staates und dessen bombastischen Feiern für sich selbst. Die Parteitage auf diesem Gelände dürften ein guter Ort gewesen sein, um die Bevölkerung auf die NSDAP einzustimmen und gemeinsam hinter sie zu stellen.
Nach der (wesentlich ruhigeren) Rückfahrt, wanderten wir noch einmal durch die Altstadt, diesmal im angenehmen Abendlicht und konnten noch ein paar gute Aufnahmen erhaschen. Mittlerweile waren wir allerdings schon ziemlich fertig und immerhin schon 14 Stunden unterwegs. Also suchten wir uns eine (wirklich gute) Pizzeria in der Nähe des Bahnhofes.
Nach dem sehr guten Mahl brachen wir dann schließlich um 21 Uhr im ICE den Rückweg an. Der war zwar noch etwas holprig, aber wir bekamen trotz einer Baustelle bei Aschaffenburg den Anschlusszug am Frankfurter Flughafen. Offensichtlich mussten ausreichend viele Personen in den Zug umsteigen, so dass dieser wartete. Um etwa 0:30 Uhr trafen wir endlich wieder in Siegburg ein und konnten uns etwas wohlverdienten Schlaf gönnen.
Heute habe ich mal wieder ein interessantes Video ausgegraben, in dem unser aktuelles Copyright diskutiert wird. Sehr interessanter und anschaulicher Beitrag. Jedem zu empfehlen.
Das Video beinhaltet einen Vortrag von Larry Lessig auf dem TED.
Habe ja lange nichts von mir hören lassen und habe mir gedacht meine momentane Lebenslage ist würdig für einen neuen Blogeintrag.
Wie man aus der Überschift erkennen kann, hat es mich - genau wie Raptor - in unsere Hauptstadt gezogen. Im Gegensatz zu meinem Vetter allerdings arbeitstechnisch. Ich bin vier Wochen nach Berlin kommandiert worden und werde dort nun Mädchen für alles spielen.
Untergekommen bin ich bei unserer lieben Cousine. Das ist natürlich viel besser, als in der Kaserne unterzukommen. Von hier aus fahre ich morgens, mit den mich begeisterndem Öffentlichem Nahverkehr, zum Arbeitsplatz Bendlerblock.
Angefangen hat alles am 12. November als ich um ca. 7:40 Uhr am Köln-Bonner Flughafen, zum ersten mal in meinem Leben, in ein Flugzeug stieg. Nach 50 Minuten war das erste mal dann auch schon vorbei und ich landete in Berlin-Tegel. Von dort aus mit vollem Marschgepäck direkt in Richtung Arbeit. Nach einer Vorstellungsrunde und einer halben Stunde Aufbau war ich dann auch schon voll Einsatzbereit.
Als ich fertig mit dem ersten Arbeitstag war, wurde ich netter Weise noch zu meiner Cousine gefahren.
Tag 2
Der Tag begann mit der Erkundung meines Arbeitsweges, der dementsprechend lang dauerte. Nach getaner Arbeit machte ich mich auf, Berlin Stück für Stück zu erkunden. Ich lief also blindlings in Richtung hell erleuchteter Innenstadt. Da es schon recht dunkel war, habe ich das tolle Lichtspektakel einer Metropole wie Berlin erleben dürfen. Mein Weg führte mich vorbei an der Staatsbibliotek, am Sony-Center, über den Potsdamer Platz dann Richtung Brandenburger Tor am Mahnmal der Holocaust-Opfer und an der Britischen Botschaft vorbei. Irgendwann nach meiner kleinen ersten Exkursion fuhr ich befriedigt nach Schöneberg zurück.
nach langer Zeit mal wieder ein kleines Update. Ich konnte mich heute endlich mal dazu aufraffen, die Bilder vom Berlinurlaub im Februar durchzusehen und fertig zu bearbeiten. Eine erste Version ist jetzt hier online. Viel Spaß damit.
Achja, sollten auf einigen Bildern Haare zu sehen sein, diese sind noch nicht rausbearbeitet und begründen den Ausflug zum Berliner Hauptbahnhof am zweiten Tag.
Heute Nachmittag waren wir im Aachener Tierpark, da das Wetter diese Woche doch endlich einmal zum rausgehen einlädt.
Der Tierpark ist relativ zentrumnah und sehr familienfreundlich aufgebaut. So gibt es einen Familienbauernhof mit den üblichen Haustieren für kleinere Kinder, an den auch Spielplätze angegliedert sind. Weiter hinten im Park gibt es dann auch teilweise exotischere Tiere und eine große Vielfalt an Wassertieren im großen parkeigenen See. Die Athmosphäre lädt auch einmal nur zum verweilen ein, Sitzgelegenheiten sind zahlreich vorhanden und die Eintrittspreise sind human. Weitere Infos gibt es auch auf der Homepage des Parks.
Natürlich gibt es auch wieder eine Fotogalerie, großteils mit heimischen Tieren, Zebras und Kängurus war es anscheinend doch noch etwas zu frisch, oder Zäune und Entfernungen waren einfach etwas zu problematisch.
Während des Berlinbesuchs konnten wir viele Plattenbauten bestaunen, die es in der Innenstadt in großer Zahl gibt. Bei Stumbleupon bin ich von ein paar Tagen zufällig auf farbenfroh gestaltete Plattenbauten gestoßen, die ich euch nicht vorenthalten wollte. So scheint man auch in anderen Ländern an einer Umgestaltung zu arbeiten, auch wenn es nur eine neue Farbgebung zu sein scheint.
Nach einer kurzen Verzögerung folgt jetzt endlich die Fortsetzung und der letzte Tag unsere Berlinaufenthalts. Durch meinem Umzug hat sich das Ganze leider doch etwas verschoben.
Sonntags wollten wir noch einmal ein wenig deutsche Geschichte studieren, diesmal insbesondere die der Grenze innerhalb von Berlin. Aufgrund der recht hohen Eintrittspreise und einer eher populistischen Aufmachung schreckte uns das Museum am Checkpoint Charlie eher ab, hatte ich doch zwei Tage vorher noch von einer recht neuen Gedenkstätte in der Bernauer Straße gelesen. Nachdem wir während des Frühstücks mit Josef gesprochen hatten, war dieser von der Idee anscheinend recht angetan, jedenfalls erklärte er sich bereit, uns wieder einmal mit dem Auto mitzunehmen und mit uns die Gedenkstätte zu besichtigten.
Im Anschluss ans Frühstück brachen wir auf. Natürlich nicht ohne auf dem Hinweg einen kleinen Schlenker zu machen! Erster Halt an diesem Tag war das Invalidenhaus und der Invalidenfriedhof. Diese wurden von der preußischen Armee errichtet, um den ausgedienten Soldaten, einen vernünftigen Lebensabend gewährleisten zu können. Darüber hinaus wurden diese dann auf dem anliegenden Friedhof beigesetzt. Später entwickelte sich das Beisetzen auf dem Invalidenfriedhof als hohe Anerkennung an die Soldaten, so dass sich viele Gräber hoher preußischer Offiziere und Generäle (z.B. von Scharnhorst) finden lassen. Die kleineren Gräber liegen dicht an dicht und offenbaren die hohe Anzahl der Soldaten, die hier wohl begraben wurden. Leider blieb der hintere Teil des Friedhofes nicht von der DDR verschont. Da dieser direkt an der Spree liegt, die hier die Grenze bildete, musste ein Teil dem Todesstreifen weichen. So steht auf dem Friedhof auch heute noch ein Teil der inneren Mauer. Auch an den mauerfreien Stellen erkennt man deutlich die klare Linie zwischen erhaltenen Gräbern und geschliffenen Boden. An der flussseitigen Friedhofsmauer sind Gedenktafeln angebracht: Ironischerweise wurde das erste Maueropfer bei seiner Flucht über einen Friedhof erschossen. Innerhalb einer Wohnanlage, die sich an den Invalidenfriedhof anschließt, steht noch ein alter Wachturm des Todesstreifens. Dieser steht tatsächlich direkt zwischen einigen Häusern, der Bruder des ersten Mauertoten hat wohl beim Erhalt auch eine wesentliche Rolle gespielt. Meiner Ansicht nach ein glücklicher Umstand, wurde doch schon genug von der Grenze innerhalb Berlins abgerissen und somit ein großer Teil jüngerer deutscher Geschichte.
Kurz vor der Bernauer Straße machten wir in den Liesenstraße halt, entlang dieser Straße verlief ebenfalls die Mauer. Über fast die gesamte Länge erstreckt sich auf der östlichen Seite ein Friedhof, die Linie der ehemaligen Friedhofsmauer bildete die Linie der Berliner Mauer. So wurden auch hier viele Meter Friedhof geschliffen, um den Todesstreifen zu schaffen. Einige Teile der inneren Mauer sind auf dem Friedhof noch erhalten, von der eigentlich äußeren nur noch wenige Meter unauffällig am Straßenende. An Stellen wie dieser zeigt sich das blinde Handeln des Staates, der nur darauf bedacht war, seine Bürger und Devisen im Land zu halten und die Kultur anderer nicht im Geringsten zu würdigen wusste. Beim Schlendern über den Friedhof entdeckt man viele unheimlich schöne und alte Grabmale, wie auch eine klare Trennung des Friedhofes durch die verschiedenen Gemeinden. Jede hatte ihren eigenen Eingang. Die Trennung zeichnet sich deutlich auf dem Friedhof ab und es erscheint einem doch kurios, dass man an solchen Stellen im Prinzip eine doppelte Trennung vorfindet. Neben der Trennung Berlins, zerschneiden auch die Gemeinden ihren Friedhof in eigene Teile, statt die Toten gemeinsam beizusetzen. Trotz der starken Eindrücke der jüngsten Geschichte, ist der Zweite Weltkrieg weiterhin nicht zu übersehen, sind doch zahlreiche Grabmale von Projektilen und Granaten gezeichnet. In den letzten Stunden des Dritten Reiches scheinen Grabsteine als stabile Deckung beliebt gewesen zu sein. Im hintersten Teil des Friedhofes findet sich ein Massengrab, in dem zivile Opfer des Krieges begraben sind. Für jeden ist ein Grabstein im Boden eingelassen. Hier wird einem die immense Zahl an Opfern wieder bewusst, die in den letzten Stunden noch immer anstieg.
Auf dem letzten Zwischenstück unterquerten wir am Ende der Liesenstraße die S-Bahn-Strecke. Dort steht nicht nur eine neue Brücke, sondern direkt daneben auch eine alter Brücke der Nordbahn. Diese wurde nach dem Mauerbau stillgelegt, da sie exakt an dieser Stelle die Grenze überquerte. die Schienen wurden zurückgebaut und nur die Brücke zurückgelassen. Nach der Wende konnte die Konstruktion nicht weiterverwendet werden, da sie schon zu sehr gelitten hatte, also wurde direkt daneben eine neue errichtet, um die alte Trasse weiternutzen zu können. Biegt man hinter der Brücke rechts ab fährt man die Gartenstraße entlang, auf der rechten Seite ist eine ehemalige Bahnhofsmauer, die von der DDR einfach zu richtigen Grenzmauer umgebaut wurde. Der dahinter liegende Bahnhof wurde dem Erdboden gleichgemacht um wieder eine ausreichend gute Sicht auf den Grenzbereich zu haben. Heute wurde die Mauer zum Teil bereits wieder restauriert, der hintere Bereich der Anlage wurde zu Beachvolleyballplätzen umfunktioniert.
Von der Gartenstraße biegt man links in die bekannte Bernauer Straße ein. Dort wurde eine Gedenkstätte errichtet. Diese umfasst ein Stück wiederhergestellten Todesstreifen mit beiden Mauern und ein Gebäude inklusive Aussichtsturm. Vom Turm aus kann man von oben in das Stück Todesstreifen blicken, aber auch die Bernauer Straße entlang, die vom ehemaligen Todesstreifen noch deutlich gekennzeichnet ist. Der Großteil des Streifens ist heute mit Gras bewachsen. So erhält man einen guten Eindruck von der abschreckenden Mauer. Im Dokumentationszentrum bekommt man viel Originalmaterial ohne jegliche Bewertung dargestellt. Dies umfasst Zeitzeugenberichte, eine Fotodokumentation, eine Filmdokumentation, Radiomitschnitte, Dokumente des MfS und der Partei und Zeitungsberichte, allesamt aus dem Tagen des Mauerbaus. Die Ausstellung ist sehr sehr interessant, aber man müsste wohl ein zweites Mal vorbeisehen, um den Rest der Informationen aufnehmen zu können. Für einen Tag ist es schlichtweg zuviel auf einmal. Im Erdgeschoss des Gebäudes findet sich noch ein umfangreicher Laden, in dem auch Literatur zum Thema zu erwerben ist. Folgt man der Straße wenige Meter nach Norden kommt man zur Versöhnungskapelle. Diese wurde auf den Grundmauern der Versöhnungskirche errichtet, die zu besseren Einsicht in den Todesstreifen noch 1985 gesprengt wurde. Der Altarraum der Kapelle ist aus Lehm gebaut und von einem Dach aus Holz geschützt. Im Inneren findet sich der alte Altaraufsatz aus der Kirche wieder, das einzige erhaltene Stück Innenausstattung. Vor diesem kann man durch ein Stück gläsernen Boden hinab auf die alten Fundamente und den Kellereingang der alten Kirche sehen. In dem alten Eingang sind sogar Steine der Mauer zu sehen, mit denen dieser zugemauert wurde. So ist die neue Kapelle mit der alten Kirche verbunden und bildet eine Einheit. Ebenfalls im Altarraum gibt es erfreulicherweise kostenloses Infomaterial zur Kapelle und zum Bau. Dies ermöglicht einem einen noch etwas tieferen Einstieg in die Thematik, wenn die ersten Eindrücke etwas gesackt sind. Im Nachhinein ist das etwas, was man an anderen Stellen vermissen könnte, auch wenn diese Art der Information sicherlich nicht ganz preiswert ist.
Auf dem Rückweg nach Hause fuhren wir noch an zwei Häusern vorbei, die von brasilianischen Fußballfans während der WM 2006 gestaltet wurden. Es sind sehr aufwändig gestaltete Graffitis, die einem durchaus die Freude der Brasilianer an ihrer Mannschaft Nahe bringen. Die Spitze der vielen interessanten Graffitis in Berlin, die es dort zu bestaunen gibt. Ein letzter Punkt sollte noch erwähnt werden: Josef zeigte uns einen Hauseingang, der mit Geschlechtsumwandlungen warb, ein besetztes Haus. Auch wenn es bald der Staatsgewalt weichen wird, ein amüsanter Abschluss unserer Berlintour. Die Tür wird wie alles andere Sehenswerte noch in der Fotogalerie erscheinen, die bald folgt.
Am späten Nachmittag fuhren wir wieder mit dem ICE in Richtung Köln.
Nachdem wir morgens erneut ausgiebig gefrühstückt hatten, machten wir uns auf den Weg, um uns die “Hidden Places” von Berlin zeigen zu lassen - dieses Mal jedoch zu Fuß.
Unsere Reise durch die Geschichte der Stadt begann dieses Mal mitten auf dem Gendarmenmarkt, wo uns Matthias’ Onkel einen kleinen Einblick in die Entstehungsgeschichte und Besonderheiten des Platzes und seiner Gebäude ermöglichte. Nachdem wir die drei Prachtbauten - den Deutschen Dom, das Konzerthaus und den Französischen Dom - bewundert hatten, wurde unser Blick auf einige Bodenplatten gelenkt, die zur 750-Jahr-Feier Berlins angebracht wurden. Neben Zitaten von einigen Berühmtheiten fanden wir dort auch eine Lücke, aus der eine Platte entfernt worden war. Nach der Wende war es anscheinend nicht mehr erwünscht Berlin als das Symbol für den “Sieg des Sozialismus auf deutschem Boden” darzustellen.
Unser Weg führte uns weiter zu den “Galeries Lafayette”: Ein architektonisches Meisterwerk, das durch seine gläsernen Kegel und Zylinder sehr elegant wirkt. Die Preise für das - zugegebenermaßen vielfältige und hochwertige Angebot - waren jedoch ebenso extravagant wie das Gebäude an sich. Von dort aus setzte sich unser Ausflug in die moderne Architektur unter der Erde fort: Das Gebäude der “Galeries Lafayette” ist unterirdisch mit zwei weiteren Quartieren (so nennt man in Berlin von Straßen umschlossene Blöcke) verbunden, die auch beide auf ihre eigene Art und Weise einzigartig sind. Während sich das eine eher edel und klassich hält, fällt das Andere vor allem durch einen bunten Turm aus gepressten und farbenfroh lackierten Autoteilen auf. Nachdem wir diese architektonische Vielfalt hinter uns gelassen hatten warfen wir einen kleinen Blick in das Sortiment des Schokoladenhauses “Fassbender & Rausch”. Neben Schokoladen und Pralinen aller Art und Nation, können dort leckere Kunstwerke bewundert werden: Ein Brandenburger Tor, ein Reichstag und eine Titanic aus Schokolade! Wer nach diesem Anblick immer noch keinen Appetit bekommen hat, wird ihn vielleicht noch bei dem kleinen Schokoladen-Vulkan bekommen, der in einem der Schaufenster trohnt. Ein sehr lohnenswerter Besuch, was nicht zuletzt noch damit gekrönt wurde, dass ich diesen wunderbaren Ort mit einer Menge Schokolädchen verließ.
Von dort aus ging es weiter zum allseits bekannten Checkpoint Charlie, wo wir jedoch nicht lange verweilten. Unser nächstes Ziel war das Denkmal einer Kirche, die im Krieg zerstört wurde. Böhmische Vertriebene bauten sie dort für ihre kleine Gemeinde auf. An diese Entstehungsgeschichte anknüpfend soll der Name “Mit Sack und Pack” sowie die äußere Erscheinung an das kleine Gotteshaus erinnern: Mitten auf dem Platz steht ein riesiges, buntes, geschnürtes Bündel mit Decken, einem Stuhl, einer Gießkanne, Kinderspielzeug und Allem was ein gewöhnlicher Hausrat im 18. Jahrhundert zu bieten hatte.
Als nächstes führte uns unser Weg vorbei an einem ehemaligen Umspannwerk hin zum ehemaligen Reichsluftfahrtsministerium, in dem heute das Finanzministerium seinen Sitz hat. Dort wurden wir von einem weiteren Kurisorium erwartet: Einem Wandbild aus Meißner Porzellan der frühen DDR (1952/53).
Der nächste Blickfang, von dem wir sehr fasziniert waren, war die tschechische Botschaft. Matthias’ erste Assoziation zu dem braunen 70er-Jahre-Gebäude mit klarer DDR-Tradition war ein Doppel-Whopper. Das besondere an diesem Haus war jedoch nicht nur das äußere Erscheinungsbild: Die gesamte Innenarchitektur bis hin zur einfachen Stehlampe ist noch original 1972.
Nachdem wir uns satt gesehen hatten, gingen wir weiter zur U-Bahn-Station “Mohrenstraße”. Hier fanden wir zunächst einmal den Rest des Marmors aus Hitlers Reichskanzlei. Aber auch die Geschichte der U-Bahn-Station beeindruckte uns, da es sich zu DDR-Zeiten um einen der “Geisterbahnhöfe” handelte, durch die die Westberliner Bahnen mit geschlossenen Türen und Schrittgeschwindigkeit fahren mussten - unter den wachsamen Augen der Grenzpolizei. Ganz in der Nähe belächelten wir dann einen äußerst interessanten Info-Kasten der nordkoreanischen Botschaft, der uns vermitteln wollte, dass Kim Jong-il, der aktuelle Machthaber und Diktator der “Demokratischen Volksrepublik Korea” (Nordkorea), der “liebende Vater” der Nation sei, der in “brüderlichen” Gesprächen mit Südkorea versucht, mit seinem ganzen Herzblut für seine Kinder zu sorgen. Bei einer näheren Betrachtung der Realität kann man diese Formulierungen wohl kaum ernst nehmen. Einen weiteren Zwischenstop machten wir an dem Ort, an dem einst Hitlers Reichskanzlei stand. Ironischer Weise wurde an eben diesem Ort ein Kindergarten errichtet.
Unser Weg zu den Vertretungen der Bundesländer wurde von einigen Graffitis gesäumt, die auf jeden Fall einen Blick wert waren. Die Gebäude der einzelnen Bundesländer taten sich vor allem durch ihre Größe hervor.Die Architektur war größtenteils eher unspektakulär, obwohl uns die außergewöhnliche Hässlichkeit der saarländischen Vertretung in kurzes Erstaunen versetzte. Die gesamte Fassade des Hauses bestand aus verschiedenen Fenstern und Türen, die jedoch nirgens hinführten. Aber auch die Hessen hatten einen sehr kreativen Architekt, was ihr
demnächst auf dem ein oder anderen Foto bewundern könnt.
Das Holocaust-Denkmal besichtigten Matthias und ich nach einer kleinen Einführung durch seinen Onkel auf eigene Faust. Am Ende waren wir uns einig, dass es zwar sehr interessant war, durch diesen Garten aus Beton-Stelen zu wandeln, es jedoch keinesfalls seinen eigentlichen Zweck erfüllte. Keiner von uns wurde durch den Beton an die Ermordung von Juden durch die Nazis erinnert. Treffpunkt war die am besten gesicherte Baustelle der gesamten Stadt: die zukünftige amerikanische Botschaft.
Also ging es weiter zum Potsdamer Platz. Durch seine Architektur bekommt man mit der Zeit wirklich das Gefühl, in einer amerikanischen Stadt zu sein. Der Anblick vom Sony-Center und der DB-Zentrale hat uns sehr beeindruckt. Wir waren alle mehr oder weniger begeistert von den unterschiedlichen Ideen und Fassaden, aber vor allem ließen wir uns über eines der Hochhäuser aus, das mit der Zeit immer mehr Ziegel seiner Fassade verliert, da sie unzureichend befestigt wurden.
Vorbei an der Staatsbibliothek zu Berlin und der St. Matthäus-Kirche, einem Backstein-Bau aus dem späten 19. Jahrhundert, machten wir einen kleinen Halt in der Neuen Nationalgalerie, die ebenfalls durch eine außergewöhnliche Architektur besticht. Nach einer kurzen Pause im Kulturforum führte uns unser Weg weiter zum Tiergarten, der im 16. Jahrhundert ursprünglich als Jagdrevier für den Kurfürsten von Brandenburg gedacht war, nach dem Krieg aber komplett abgeholzt wurde, um die Brennstoffversorgung der Berliner sicherzustellen.
Unser Ziel war das sowjetische Ehrenmal im Tiergarten, welches die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten der Roten Armee ehrt. Im rückwärtigen Teil der Anlage wurden 2.500 sowjetische Soldaten beerdigt. Eine Besonderheit dieses Ortes ist, dass es einst sowjetisches Gebiet in West-Berlin war und von daher einen Sonderstatus inne hatte. Die Präsenz einiger russischer Familien zeigt, dass die Ehrenmale für die Hinterbliebenen der Gefallenen weiterhin von Bedeutung sind.
Unser Weg führte uns weiterhin vorbei am Reichstag, wo wir uns noch einmal an das Diorama aus dem Deutsch-Russischen Museum vom Vortag erinnerten. An der Nordseite des Gebäudes ist außerdem eine Gedenktafel für die Öffnung der Grenzen in Ungarn im Sommer 1989 angebracht, da dieses Ereignis den Fall der innerdeutschen Mauer und die Wiedervereinigung einleitete.
Nach einem kurzen Blick in die Gebäude der Abgeordnetenhäuser und vorbei am Bundeskanzleramt - welches den sehr passenden Spitznamen “Elefantenwaschanlage” erhielt, gingen wir zum Hauptbahnhof. Wir machten diesen unplanmäßigen Schlenker eigentlich nur, weil Matthias ein kleines Problem mit seiner Kamera hatte, welches im dort ansässigen Fotogeschäft behoben werden konnte. Wir ließen uns jedoch nicht davon abhalten, noch einen kleinen Rundgang durch den niegelnagelneuen Bau zu machen, der schon so einige Schlagzeilen gemacht hat.
Von dort aus gingen wir - im Sonnenschein an der Nordseite der Spree entlang - zum Mauermahnmal im Erdgeschoss des Abgeordnetenhauses. Dort stehen einige Mauersegmente auf dem ursprünglichen Mauerverlauf, auf denen jeweils ein Jahr und die Anzahl der Maueropfer in diesem festgehalten wurden. Eine gute Idee, leider ist der Ort für Fremde sehr versteckt. Am gegenüberliegenden Spreeufer wurden mehrere Kreuze für dort erschossene DDR-Flüchtlinge angebracht. Bald kamen wir an einer Brücke an, die wir am Tag zuvor bereits auf einem Foto gesehen hatten, welches in den letzten Stunden des Krieges gemacht wurde und einen jungen, erschossenen MG-Schützen zeigte.
Die letzten paar Meter des Tages führten uns zur amerikanischen Botschaft, die einer Befestigungsanlage gleicht und einem alten Marktgebäude, in dem in vergangenen Zeiten frisches Obst und Gemüse ergattert werden konnte. Ein kleiner Endspurt führte uns jedoch noch weiter zum Internationalen Handelszentrum, einem auffallend hässlichen Hochhaus, das jedoch durch einen architektonischen Trick tuschiert werden konnte. Es wurden zwei Gebäude davor errichtet, die das Haus so gut wie vollständig verdecken und lediglich in der Mitte sichtbar machen. Ein kurzer Besuch im ZDF-Studio und einem VW-Propagandahaus, wo sowohl Autos als auch eine Fotoausstellung über Tierfotografien (um Besucher anzuziehen) präsentiert wurden, beendete unseren Tag nach ca. 6 Stunden Marsch.
Im Berliner Zuhause erwartete uns bereits das Essen. Nach einigen Stunden Pause und einem zufriedenen Rückblick auf den ereignisreichen Tag fuhren wir im Dunkeln in den 13. Stock des Hauses, um uns Berlin bei Nacht anzusehen und einige Fotos zu machen.
Am Donnerstag den 1.2.2007 war es endlich wieder so weit: Ein etwas größerer Ausflug. Maren und ich brachen nachmittags von Köln aus nach Berlin auf. Auch wenn die Bahn bei der Zugteilung in Hamm eine Verspätung erzeugte, kamen wir halbwegs pünktlich im neuen Hauptbahnhof an. Wenn man reisend und hetzend durch den Bahnhof rennt fällt einem die geflügelte Architektur kaum auf. Dieser Effekt wird sicherlich durch die durchgängige Corporate Identity der Bahn erzeugt, die in neuen oder in den letzten Jahren renovierten Bahnhöfen anzutreffen ist. Mit dem RE ging es den endlos langen Weg zum Bahnhhof Friedrichstraße (ca. 30 Sekunden), um dort in die U6 nach Stadtmitte umzusteigen. So waren wir nach knapp 15 Minuten in der Leipziger Straße, wo wir bereits freudig erwartet wurden. Nachdem wir etwas zu Essen zu uns genommen hatten, diskutierten wir die nächsten Tage, um auch ja keine Zeit zu verschwenden.
Freitag Morgen gab es um 8:30 Frühstück; im Anschluss brachen wir zum Ehrenmal in Treptow auf. Der Weg war - wie viele in den nächsten Tagen - um ein paar kleine “Schlenker” ergänzt, so dass es mehr war, als eine bloße Anreise.
Erste Station war die St. Michaelskirche. Im Krieg zerstört, wurde sie in der DDR nie wieder aufgebaut und steht noch immer als Ruine an ihrem Ort. Sie stellt so einen starken Konrast zu den umliegenden Wohnhäusern dar. Von einigen sichernden Maßnahmen wurde die Ruine in ihrem Zustand erhalten und ist von einer Grünanlage mit einem Spielplatz umgeben. Von der Rückseite der Kirche aus blickt man auf das Engelbecken, ein ehemaliges Hafenbecken des heute trockengelegten Luisenstädtischen Kanals. Das Engelbecken ist heute wieder gefüllt und ist mit einer neugestalteten Uferanlage versehen worden. Am ehemaligen Kanal entlang kommt man zu einem Berliner Kuriosum: Im ehemaligen Bereich zwischen Mauer und Zonengrenze baute ein Türke noch zu Zeiten des Kalten Krieges sein Wochenendhaus. Da sich weder der Bundesgrenzschutz noch die Grenzpolizei zuständig fühlte und die DDR ihn duldete, konnte seine kleine Oase fortbestehen und hat die DDR bis heute überdauert. Das Haus ist buntes Flickwerk, das zu einem Ganzen zusammengefügt wurde. Das Gelände ist von einem Zaun aus Maschendraht, Matratzenteilen und Stahlarmierungen umgeben und vor der Haustür präsentieren sich Sofas und ein festbetonierter Tisch. Letzteres ist sicherlich auch auf eine gewisse Beliebtheit bei Besuchern zurückzuführen.
Nach diesem kleinen Schlenker fuhren wir weiter zum Treptower Ehrenmal. Bereits das Eingangsportal empfängt einen mit einer zweisprachigen Botschaft: “Ewiger Ruhm den Helden, die für die Freiheit und Unabhängigkeit der sozialistischen Heimat gefallen sind”. Die Zweisprachigkeit ist im ganzen Ehrenmal wiederzufinden. Sämtliche Inschriften sind auch auf deutsch verfasst. Das Ehrenmal ist um eine zentrale Achse gebaut, an deren Anfang (vom Eingang aus) trohnt ein 60t schweres Abbild der Mutter Russland, die um ihre Gefallenen trauert: Trotz ihrer trauenden Haltung in einer wachsamen, kampfbereiten Haltung. Ihr Abbild ist von einem Halbkreis Pappeln umgeben. Ihr Blick richtet sich gen Osten, einen leicht aufsteigenden breiten Weg hinauf, der mit Birken gesäumt ist. An der Spitze des Weges verneigt sich an jeder Seite ein kniender Soldat vor den Toten und es eröffnet sich der Blick hinab zum eigentlichen Ehrenmal. Seitlich der Soldaten recken sich zwei große, gesenkte, stilisierte Fahnen in den Himmel, die aus dem rot leuchtenden Marmor Hitlers Reichskanzlei gefertigt sind. Von diesem Durchgang aus blickt man auf eine mächtige Statue eines Soldaten, der ein Kind auf dem rechten Arm trägt und mit der Linken ein Schwert zum Boden richtet. Mit diesem wurde gerade das Hakenkreuz unter seinen Füßen zerschlagen. Ein Denkmal eines russischen Soldaten, der ein kleines deutsches Mädchen aus der Schusslinie rettete und an den Folgen starb. Vor der Statue, die auf einem Grabhügel errichtet ist, erstrecken sich fünf wie Massengräber gestaltete Grasflächen mit einem zentrierten Kranz an deren Rand der Weg zur Statue verläuft. Die Außenseite des Weges wird von je acht Sarkophagen gesäumt, rechts mit deutschen Inschriften, links mit russischen. Auf den hellen Sarkophargen sind detailgetreue Szenen dargestellt, auf denen die russische - leicht geschönte - Geschichte des Krieges dargestellt wird. Direkt unter dem Durchgang ruhen die einzigen fünf namentlichen bekannten russischen - dort begrabenen - Soldaten unter einer Gedenkplatte. Die Sarkopharge sind von Eichen umgeben unter denen ein riesiges Massengrab liegt, in dem die russischen Soldaten tatsächlich beigesetzt sind.
Im Anschluss fuhren wir nach Karlshorst, wo das deutsch-russische Museum seinen Sitz hat. Es residiert im ehemaligen Offizierskasino, in dem der zweite Kapitulationsvertrag der Deutschen unterzeichnet und besiegelt wurde, noch heute befindet sich in dem Saal eine perfekte Nachbildung der Tische inkl. Tischdecken, Flaschen, Fahnen etc.. Das Museum beschäftigt sich primär mit der Zeit des Krieges und reflektiert diese ohne jegliche Bewertung. Im Außengelände werden Panzer, Artillerie und Panzerabwehrkanonen ausgestellt, die sehr gut gepflegt sind. Im Museum wird detailliert mit den Vorbereitungen für den Krieg begonnen: Dem Pakt zwischen Hitler und Propagandeplakaten gegen den “jüdischen Bolschewismus”, sowie den Nationalsozialismus. Weitergeführt wird die Ausstellung mit dem Überfall Deutschlands auf Russland. Ausgestellt werden nicht nur Ausrüstung und Uniformen, sondern auch Lagekarten mit denen die Wehrmacht die Offensive plante, die Bereiche in Nord und Süd aufteilte und die Positionen der Verbündeten markiert wurden. Der Verlauf des Feldzugs wird sowohl mit unzensierten Filmbeiträgen, Fotos und Gegenständen als auch mit originalen (geheimdienstlichen und militärischen) Berichten beider Seiten dokumentiert. An das Kriegsgeschehen schließt sich die Dokumentation über den Umgang mit Kriegsgefangenen und Zivilisten an. Bevor der Rundgang in dem Saal mündet, in dem die Kapitulation unterschrieben wurde, bildet ein Diorama über den Sturm des Reichstags den Abschluss. Es folgt eine kurze Ausstellung über die Nachkriegszeit, der wir aber keine weitere Beachtung schenkten. Vor dem Verlassen ließen wir noch die Sonderausstellung auf uns wirken. Dort waren Werke des russischen Fotografen “Boris Ignatowitsch” ausgestellt. Sehr schöne Werke sowohl aus der Vorkriegszeit, als auch seiner Zeit als Fotograf beim russischen Heer. Insgesamt ein sehr lohnender Besuch in einem ruhigen Museum, das für seine umfangreiche Ausstellung keinen Eintritt verlangt. Es wird von einem Verein geführt und die Angestellten arbeiten ehrenamtlich. Literatur zu den behandelten Themen kann an der Gaderobe erworben werden, wo auch eine Plexiglasbox für Spenden aufgestellt wurde.
Nachdem unser Wissensdurst vorerst gestillt war, brauchten wir einen Programmpunkt mit ein bisschen weniger Informationsdichte. Wir fuhren zum Denkmal für die Sozialisten im Stadtteil Lichtenberg. Dort sind viele bekannte Sozialisten begraben, unter anderem Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Die Gräber sind an einer kreisrunden Mauer aufgereiht, die zur Nordseite hin geöffnet ist. Im Zentrum sind in einem Kreis die wichtigsten Persönlichkeiten begraben. In ihrer Mitte trohnt ein großer Stein mit der Aufschrift “Die Toten mahnen uns” und in Richtung Öffnung blickt. Von einer Veranstaltung, die vor Kurzem stattgefunden hatte, waren viele Gräber mit roten Nelken geschmückt. Der mittlere Kreis war mit einer großzügigen Schicht Nelken umgeben, lediglich an der Grabplatte Walter Ulbrichts war eine Lücke gelassen worden. Offensichtlich wurden ihm besonders viele Sympathien entgegengebracht, so dass er eine freie Sicht in den Himmel haben konnte. Auf der Ostseite der Anlage sind viele kleine Gräber verdienter Sozialisten aufgereiht, deren Grabsteine ein einheitliches Erscheinungsbild haben.
Da sich die Sonne langsam senkte, brachen wir wieder auf. Der Weg führte uns entlang der Frankfurter Allee, die einstmals als Stalinallee die Prunkstraße der frühen DDR war. Hier präsentierte sich die erste Generation der prunkvollsten Gebäude, die die Volkswirtschaft produzieren konnte. Die Architektur ist auf der gesamten Länge einheitlich und wird an einem Ende von zwei Türmen eingeläutet. Die propagandistischen und plakativen Absichten die Vorteile des Sozialismus zur Schau zu stellen werden sofort offensichtlich.
Danach ging es kurz vorbei an der ehemaligen Stasizentrale und dem Wohnbezirk, der eigens für Mitarbeiter der Stasi geschaffen wurde, um kurze Wege und eine größtmögliche Kontrolle zu gewährleisten. Die umfangreichen Anlagen zeugen von der großen Betriebsamkeit der Stasi, die anscheinend viele Mitarbeiten beschäftigte.
Der Weg führte weiter Richtung Zentrum und streifte das Märkische Museum. In der Grünanlage vor dem Gebäude ist das Gehege der Berliner Bären, die bei den Berlinern sehr beliebt sind. Das Märkische Museum ist bereits für die Außenansicht einen Besuch wert. Die Architektur zitiert die vielen architektonischen Stile, die in der Mark Brandenburg vorherrschend waren und vereinigt diese zu einem stimmigen Gesamtbauwerk, das zugleich als Kunstwerk bezeichnet werden kann. Trotz der vollkommen unterschiedlichen Stile, sieht das Gebäude von jeder Seite absolut stimmig aus. Auch hier sind kleine Teile der Mauer ausgestellt, die noch unbeschädigte Kunstwerke auf sich tragen.
Unterwegs zum historischen Hafen, gingen wir in die U-Bahn-Station am Märkischen Museum, in der die Stadtgeschichte sowohl mit architektonischen Elementen, als auch durch die Darstellung der äußeren Form Berlins an sich erzählt wird.
Der historische Hafen am Märkischen Ufer beherbergt viele alte Schiffe, die liebevoll restauriert wurden und hier einen Liegeplatz gefunden haben. Diese Ecke ist offensichtlich auch Schlafplatz für viele Vögel der Stadt, die sich lautstark auf den Bäumen einfanden, während die Sonne unterging.
Auf dem finalen Rückweg gab es nur noch einen kleinen Schlenker, vorbei an einer Schule, auf deren Fassade ein Schüler ein Gedicht gesprayt hatte. Leider wurde die Fassade zu dem Zeitpunkt renoviert, da diese bereits eingerüstet war und auch sonst eine Baustelle voll im Gange war.
Zu Hause angekommen, gab es erst einmal Abendessen und eine anschließende Diskussion über den erfolgreichen Tag.
Nachdem Maren ein bisschen Mittagsschlaf gehalten hatte gingen wir gegen 23:30 noch einmal nach draußen, um ein paar Nachtaufnahmen von den Sehenswürdigkeiten zu machen. Wir starteten am Gendarmenmarkt und gingen über Unter den Linden zum Brandenburger Tor. Auf dem Vorplatz des Reichstags war der Wind schon ziemlich stark, so dass die Fahnen wunderschön im Wind wehten. Nachdem ich noch den beleuchteten Bahnhof und die Gebäude am Potsdamer Platz abgelichtet hatte, machten wir uns wieder auf zurück in die Leipziger Straße. Maren war nämlich so langsam aber sicher am erfrieren.
So beendeten wir den ersten Tag und sanken müde ins Bett. Schließlich mussten wir ziemlich früh wieder raus.
Der Rest folgt in den nächsten Tagen, mit Fotos braucht ihr vor nächster Woche nicht zu rechnen
Am 17.12. gab es mal wieder eine neue Tour. Diesmal nach Koblenz, wo einem ein sehr vielfältiges Bild an alten Gebäuden und Festungswerken geboten wird. Wir fuhren am Rhein entlang, da die Strecke landschaftlich schöner ist und die Fahrt kaum länger dauert als der Weg über die Autobahn. Es muss nur mit regelmäßigen Verkehrsbremsen in Form von Rentnern gerechnet werden. Diese Erfahrung musste ich ja bereits auf der Loreley machen. Koblenz hieß uns mit der Festung Ehrenbreitstein willkommen, während wir uns auf den Weg zum Hauptbahnhof machten, um uns mit Silvio zu treffen. Trotz oder vielleicht wegen der guten Beschilderung fuhren wir erst einmal an ihm vorbei und suchten einen Parkplatz. 25 Cent für eine halbe Stunde kann man doch mindestens als human bezeichnen, da ich natürlich kein 5-Cent-Stück hatte, bezahlten wir direkt für eine Stunde. Nach kurzer Zeit war Silvio gefunden, woraufhin wir uns uns erst einmal aufwärmten und den Stadtplan inspizierten. Anschließend fuhren wir zum zentralen Parkplatz, direkt am Schloss, um die Autos abzustellen. Danach ging es vorbei an sehr schönen historischen Gebäuden hinunter zum Rheinufer. Vom Ufer aus konnte man bereits Ehrenbreitstein über den Rhein wachen sehen. Doch zuerst wollten wir die linke Rheinseite besichtigen.
Vorbei am Pegel und den Winniger Weinstuben (sehr sehr schönes Gebäude) gingen wir zu Sankt Kastor. Vor und hinter der Kirche sind alte Grabplatten an Mauern ausgestellt und Über dem Haupteingang wacht St. Kastor in gold-weißer Pracht. Die Kirche an sich ist sehr gut erhalten bzw. restauriert. Außerdem steht auf ihrem Vorplatz der Kastorbrunnen, der mit netten Bemerkungen an die Russen und Franzosen des frühen 19. Jahrhunderts erinnert.
An St. Kastor vorbei kommt man zum Ludwig Museum, eines der über ganz Deutschland verteilten Museen des Ehepaares Ludwig. Es ist im Deutschherrenhaus beheimatet, welches dem Deutschen Orden gehörte (einer der drei großen Kreuzfahrerorden). Das Haus an sich ist sehr gut erhalten und an das Einganstor ist ein sich sehr gut passender, moderner Glasbau angeschlossen. Mit der Kunstaustellung konnten wir jedoch nicht viel anfangen.
Vom Deutschherrenhaus ging es weiter zum Deutschen Eck. Etwa auf halbem Weg stehen drei Segmente der Berliner Mauer, die an die Opfer der Teilung erinnern sollen. Vermutlich soll dies in Relation zu den Wappen der Bundeslaender und der im Krieg verlorenen Länder stehen, die am Denkmal Wilhelms hängen. Die Touristengruppen am Deutschen Eck hielten sich in Grenzen, was wohl auf Wetter und Jahreszeit zurückzuführen ist. Die Masten sind mit den Fahnen der Bundesländer beflaggt und scheinen - wie der gesamte Platz - sehr gepflegt. Von einigen Farbklecksen abgesehen, steht das Denkmal des Kaisers unversehrt. Das wiederhergestellte Abbild trohnt auf dem mächtigen Sockel, der an der Vorderseite mit umfangreichen Verzierungen versehen ist, in dessen Zentrum ein Adler steht. Erst nachdem sich Johannes neben den Sockel stellte, wurden einem die Ausmaße bewusst. Auf der rückwärtigen Seite Wilhelms hängen an den Säulen die Wappen der Bundesländer der BRD, die Länder die nicht zu der neuen Bundesrepublik gehörten, wurden auf zwei extra Tafeln vermerkt. Eine Ausnahme bildet hier das Saarland, dass noch nach dem Aufhängen dieser Tafeln in die BRD eingegliedert wurde.
Im Anschluss ging es am Rhein entlang wieder zurück zum Auto um auf die andere Rheinseite zu fahren: Ehrenbreitstein wollte eingenommen werden. Man kann entweder vom Fuße an zur Festung hinauf gehen, oder man fährt mit dem Auto um die Festung herum und kommt direkt am Haupteingang an. Dies hat den Vorteil, dass man sich den mühsamen Aufstieg spart. Vor allem sehr praktisch wenn man im Winter wenig Zeit hat, weil die Sonne früh wieder untergeht. Vorbei an amüsanten Privat-Schildern, von deren Art ich im Siebengebirge schon einige abgelichtet habe, ging es durch das Feldtor. Für das Besichtigen wird einem ein eher symbolischer Eintrittspreis abgenommen, für den man dann die Festung besichtigen kann. Im Winter sind allerdings einige Teile geschlossen, wer alles sehen möchte, sollte also im Sommer kommen. Es ist jedenfalls fraglich, ob man dort dann vor lauter Touristen überhaupt noch laufen und fotografieren kann. Die Mauer- und Festungsabschnitte sind mit großen, gut lesbaren Buchstaben gekennzeichnet, so dass man sehr einfach ein gutes Bild vom Aufbau der Verteidigungslinien bekommt. In der Festung gibt es auch ein Denkmal des Heeres, wo dieses seine Toten ehrt. Dort werden sowohl Soldaten der Weltkriege, als auch Gefallene und Tote der Bundeswehr geehrt. Während die äußeren Mauern eher abweisend wirken, ist das Innere der Festung in sehr warmen Farbtönen gehalten. Der innere Hof lädt schon durch seine Optik zum verweilen ein, so ist dort auch ein Restaurant eingerichtet. Noch ein wenig weiter entdeckt man auch die Jugendherberge, die sich ebenso wie die zur Verfügung stehenden Toiletten, nahtlos in die Optik der Festung einpasst. Insgesamt macht die gesamte Festung einen soliden und sehr gut gepflegten Eindruck. Es wäre schön, wenn mehr Bauwerke eine ähnliche Pflege erhalten würden wie Ehrenbreitstein.
Nach der Besichtigung fuhren wir wieder bergab, hinab in den Ort Ehrenbreitstein. Dort hielten wir noch einmal vor dem Rheinmuseum. Vorsicht, der Parkplatz hat teils sehr tiefe Schlaglöcher, Silvios Auto kann da von ein paar Begegnungen berichten. Von unten ist die Festung beeindruckend hoch und es wird einem sofort ersichtlich, warum eine wirklich schwere Befestigung der Anlage nur zur flachen rückwärtigen Seite nötig war. Durch die steilen Wände ist die Festung von unten nahezu uneinnehmbar, weswegen dort auch nur wenige Wehrgebäude auf den Fels gebaut sind.
Im Anschluss an die kleine Außenbesichtigung ging es wieder zurück in die Innenstadt, der Hunger war kaum noch zu bremsen. Nach kurzem Irrgang durch die Fußgägngerzone kehrten wir im Brauhaus ein, wo es wirklich sehr große Portionen gab. Ich hatte jedenfalls so meine Mühe mit den dicken Scheiben Fleischkäse fertig zu werden. Angenehme Athmosphäre mit dem gewohnt rauen Umgangston eines Brauhauses. Wenn ihr also einmal in Koblenz seid und wirklich viel Hunger verspürt, sucht diese Lokalität auf.
Da es langsam spät wurde, war der letzte Stop das Schloss. Leider ein unheimlich zugeparktes Gebäude an einem Samstag und durch die weiß-graue Farbgebung auch nicht wirklich aufregend. Zudem ist die Architektur nichts herausragendes, nur die Größe ist beeindruckend. Also spazierten wir einmal um das Schloss herum, um dann wieder unten am Rhein zu landen. Dort steht eine Statue von Görres, der auf den Rhein hinaus blickt. Nach einer umfangreichen Studie der Statue und einem letzten Blick auf Ehrenbreitstein traten wir den Rückweg an.
Insgesamt ein sehr erfolgreicher Ausflug und Koblenz scheint noch einige Anlagen zu bieten, die es sich lohnt zu besichtigen. Das Wetter war leider nicht ganz so gut wie erhofft, aber zu der Jahreszeit auch nicht anders zu erwarten. Vielleicht können wir noch einmal bei besserem Wetter zurückkehren.