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Letzten Samstag waren wir endlich nach dem Winter mal wieder auf Tour. Mit dem ICE ging es von Siegburg in das schöne Nürnberg in Franken. Wieder einmal galt es früh aufzustehen, um 5:43 ging der direkte Zug Richtung München. Um Punkt 9:00 hielt der Zug in Nürnberg und wir blickten in einen bewölkten Himmel. Immerhin war für Nachmittags Sonne angesagt. Das erste was wir nach dem überqueren der Straße erblickten, stimmte uns fröhlich für den Tag, eine wunderschön orangene Jägermeisterbahn!
Nach der Dokumentation eben jener ging es in die Altstadt. Direkt am Stadttor, dass sich am Hauptbahnhof befindet, gibt es den (offensichtlich für Touristen) schön restaurierten Waffenhof, komplett mit kleinen Fachwerkhäuschen. Leider wurde nur Touristenramsch und Essen verkauft, schön anzusehen war es immerhin.
In der Stadt an sich mussten wir ernüchternd feststellen, dass es auch im Süden die ewig selben Ketten an Kaufhäusern und Ähnlichem gibt. Praktischerweise konnte ich dann meine neuen CF-Karten für die Kamera auch direkt in einem Kaufhof erwerben. Allerdings ist anzumerken, dass die Kaufhäuser durchweg in schönen Gebäuden angesiedelt waren. Ganz im Gegensatz zu den bunkerähnlichen Betonbauten im Westen.
Nach einem zweiten Frühstück bei McDonald’s und einigem Herumirren in der Stadt ging es über einer der zahlreichen Pegnitzbrücken zum Hauptmarkt. Überhaupt fällt beim Schlendern durch die Stadt die hohe Anzahl der Märkte auf, aber auch die alten Straßennamen. Kaum eine Straße im Zentrum ist nach Personen benannt, eher nach den Eigenschaften der Straße oder Gasse selbst.
Spätestens wenn man am Markt angekommen ist, bemerkt man die extrem hohe Dichte an verschiedenen Kirchen. Selbst wenn man Köln gewohnt ist, fühlt man sich schon fast bedrängt von soviel Geistlichkeit. Die Kirchen sind jedoch ausnahmslos sehr schöne, alte Bauten. Kriegsschäden scheinen doch eher rar zu sein, oder – wenn vorhanden – fast unsichtbar beseitigt worden zu sein.
Vorbei am historischen Rathaus, mit dem wunderschönen Nürnberger Stadtwappen, geht es vorbei an den obligatorischen Bratwürsthäusern, bis hoch zu Kaiserburg. Ob als Touristenattraktion, oder tatsächlich einfach so nur beliebt, jedenfalls gibt es diese Bratwürsthäuser in großer Menge. In der “normalen” Innenstadt finden sich die Bratwurststände auch wieder (mindestens zwei Würstchen pro Brötchen), allerdings in eher nüchtern-modernen Metall- und Glasbuden. In Richtung Kaiserburg wird die Straße immer steiler, doch der Aufstieg lohnt sich. Die Burg ist in erstklassigem Zustand, inklusive Gräben und Gärten. Eine wirklich sehr schön restaurierte Burg, Führungen (die wir nicht wahrgenommen haben) werden natürlich auch durchgeführt. Unser Blick hinab auf Nürnberg war nur durch das Wetter ein wenig getrübt.
Wenn man in der Burg, durch die Gärten geht, findet man an der hintersten Ecke einen schmalen Durchgang, der einen wunderschönen Ausblick auf die Altstadt gestattet. Der Punkt ist allerdings wirklich gut versteckt, aber – wie gesehen – auffindbar. Die Toiletten (am Garten) sind übrigens eher mangelhaft, wenn man es nicht allzu dringend hat, sollte man die Benutzung einfach verschieben.
Nach dem Abstieg ging es über einige Umwege wieder zurück zum Hauptbahnhof. Dort wurden wir von bereits munter betrunkenen und singenden Fußballfans begrüßt. Unglücklicherweise spielte Nürnberg nämlich gegen Bayern München, was entsprechend viel Publikum anzog. Da unser Ziel das ehemalige Reichsparteitagsgelände der NSDAP war, machten wir uns nicht allzu große Sorgen, wir wollten ja nicht zum Stadion. Jedenfalls dachten wir das. Auf dem Bahnsteig, wo die S2 Richtung Dutzendteich fuhr (warum das so heißt, wird später erläutert), sammelten sich einige Fußballfans. Etwa 15 Minuten vor der Abfahrt wurde es dann zunehmend voller. Zu den pöbelnden Nürnbergfans gesellten sich relativ zügig auch welche aus München. Diese wurden von Polizisten in recht umfassender Körperpanzerung begleitet. Günstigerweise wurden die beiden Gruppen genau dort getrennt, wo wir standen – also standen wir genau zwischen den sich gegenseitig ansingenden Fangruppen. Ein nettes Erlebnis, ohne Kameraausrüstung hätte ich mich eventuell sogar wohl gefühlt. Nach kurzer Zeit kam dann auch der Zug, wir wanderten bis fast ans Ende. Hier gab es etwas weniger Polizei und durchweg nur noch gemäßigte Fans. So war der Zug zwar auch voll, aber immerhin drohten sich nicht gerade zig Leute direkt neben uns zu Prügeln.
Dutzendteich lag glücklicherweise exakt eine Station vor dem Stadion, wir konnten den Massen also recht gut entweichen. Rund um das Gelände waren aber immer noch viele Fans unterwegs, das heutige Stadion liegt nämlich noch immer auf Teilen des Geländes. Ebenso wie der Norisring. Nach einem wirklich kurzen Fußmarsch erreichten wir das Dokumentationszentrum. Da das Wetter immer noch nicht so recht aufgeklart war, gingen wir erstmal hinein und sahen uns die Ausstellung an.
Die Eintrittspreise sind durchaus bezahlbar, 5€ normal und 2,5€ ermäßigt wurden verlangt. Kostenlos dazu gab es einen Audioguide, der auch zum Teil auch nötig ist. Zum einen kann man sich sämtliche Schautafeln vorlesen lassen (die Nummern sind auf jeder Tafel aufgedruckt), aber vor Allem wird der Ton der zahlreichen Videowände ausschließlich über den Audioguide übertragen. Also: Das Ding nicht am Anfang vergessen, denn ohne Ton sind die meisten Videos nicht einmal halb so sinnvoll. Die Tafeln konnte man dann doch schneller lesend erfassen.
Die Ausstellung basiert zum größten Teil auf Information, weniger auf ausgestelltem Material. Zu Beginn wird generell über die Machtergreifung informiert, im Anschluss aber auch auf die frühe Rolle Nürnbergs eingegangen. Die Geschichte der Reichsparteitage an sich wird relativ ausführlich beleuchtet, ebenso wie der Bau des Geländes. Zum Teil liegen einige Dokumente aus, die aus der Zeit des Baus stammen und die Abläufe dokumentieren. Nach der Schilderung des Baus und der Geschichte wird noch einmal auf die Verwendung der Zwangsarbeiter bei der Rohstoffgewinnung eingegangen, im speziellen auf Nahe gelegene KZs, in denen der Granit gewonnen wurde. Die Ausstellung schließt mit einer Dokumentation der Nürnberger Prozesse ab, die auch mit vielen Berichten und Audiobeiträgen ergänzt wurde. Für mich persönlich der informativste Teil der Ausstellung.
Kurz vor dem Ausgang bekommt man neben einem letzten Video, in dem einige lokale Zeitzeugen der Parteitage befragt werden, die Möglichkeit sich die Kongresshalle noch einmal von Innen anzusehen. Von Außen wirkt das Gebäude jedoch wesentlich beeindruckender, vermutlich auch wegen der Höhe. Insgesamt eine lohnende Ausstellung, auch wenn sie zu Beginn etwas viel Allgemeinwissen vermittelt. Wenn man sich mit dem Thema schon einmal beschäftigt hat, kann in den ersten Räumen recht selektiv nur die Geschichte Nürnbergs und der Parteitage betrachten, dann hat man für den Rest mehr Zeit.
Außen klarte das Wetter endlich etwas auf. Wir gingen um die offene Seite der hufeisenförmigen Halle herum, am so genannten Dutzendteich entlang. Das Gelände war bereits vor der Besetzung durch die NSDAP ein Naherholungsgebiet für die Nürnberger, das teils auch gegen den Willen der Bürger im allgegenwärtigen Größenwahn des Führers umgestaltet wurde. Nach Kriegsende wurde das Gelände teilweise wieder umgenutzt und ist heute Gebiet für viele Spaziergänger aber auch Veranstaltungen. Erst wenn man das Gebäude um rundet hat, sieht man die bereits fertiggestellte Granitfassade, die einen guten Teil der beeindruckenden Erscheinung ausmacht. Neben dem Gebäude fand gerade ein Jahrmarkt statt, dessen Riesenrad einen guten Vergleich zuließ. Wesentlich höher war es jedenfalls nicht.
Weiter ging es über die Große Straße, die während des Fußballspiel als Parkplatz genutzt wurde. Trotz der vielen parkenden Autos, sah man die riesigen Dimensionen dieser Aufmarschstraße, die vom Kongresshalle in Richtung Märzfeld geht. Direkt an der Halle teilt sie den Dutzendteich, weiter hinten liegt auf ihrer Linken das Zeppelinfeld und zu ihrer Rechten die spärlichen Reste des Deutschen Stadions. Die Straße endet dann im ehemaligen Märzfeld, von diesem ist heute allerdings nicht mehr viel zu sehen.
Also machten wir uns auf die Straße hinauf, um hinter dem Dutzendteich nach rechts abzubiegen. Die Reste des Deutschen Stadions sind tatsächlich sehr spärlich, eigentlich sieht man nur noch die riesige Baugrube, die heute ein See ist: Der so genannte Silbersee. Da dort nicht wirklich viel zu sehen war, überquerten wir die Große Straße auf die linke Seite und gingen am Dutzendteich entlang.
Nach einem Rechtsschwenk erreichten wir das Zeppelinfeld, dass leider nicht betreten werden konnte. In diesem sind heute Sportanlagen errichtet, mindestens zwei Fußballplätze waren zu erkennen. Nur die ehemalige Haupttribüne ist zugänglich, heute die Haupttribüne des Norisrings. Der Umfang des Feldes ist riesig, es könnte von den Dimensionen mit Sicherheit auch vier Fußballplätze beherbergen.
Die alten Tribünen sind noch sehr gut zu erkennen und (anscheinend) sind noch alle Türme erhalten, auf denen Flakscheinwerfer und Fahnenmasten aufgestellt wurden. Trotz Verbotsschildern war die Haupttribüne leider in Benutzung von Skatern. Es scheint nicht das einzige Mal gewesen zu sein, wenn man sich die abgetragene unterste Steinstufe ansieht. Generell ist die Anlage noch in einem sehr guten Zustand.
Die Besichtigung des Zeppelinfeldes war begleitet von der sehr lauten Fußballarena, in der das Spiel mittlerweile angefangen hatte. Durch die lauten Gesänge, die in noch guter Zimmerlautstärke zu uns drangen, bekam der Ort noch einmal eine weitere Dimension, die damalige Anwesenheit der Menschenmengen war bereits auf den Videos des Dokumentationszentrums beängstigend und beeindruckend. Durch die reale Geräuschkulisse wurde dieser Eindruck noch einmal verstärkt. An der Stelle der heutigen Fußballarena stand zu NS-Zeiten das Stadion der Hitlerjugend, dieses wurde also einfach nach dem Krieg weitergenutzt und erweitert.
Zurück ging es auf der anderen Seite des Dutzendteichs. Das Wetter war mittlerweile als quasi perfekt zu bezeichnen. Nach ein paar besseren Bildern der Vorderseite des Dok-Zentrums, inspizierten wir noch einmal den Gewölbegang, der im Erdgeschoss um die Kongresshalle führt. Hier sieht man noch einmal die präzise gearbeiteten Steine. Das Objekt wurde ganz offensichtlich zum Herzeigen und weniger zum Nutzen gebaut.
Als Abschluss überquerten wir die Straße vor der Kongresshalle um zum Luitpoldhain zu gelangen, wo die ersten großen Aufmärsche stattfanden. Die ehemalige Luitpoldarena kann man nur noch erahnen, das Ehrenmal ist allerdings noch vorhanden, war leider jedoch eingerüstet und weder zu sehen, noch zu begehen. Erkennbar waren nur die Sockel, auf denen damals die Flammenschalen brannten. Nach einer ausgedehnten Pause ging es daher wieder zum S-Bahnhof zurück.
Insgesamt hat das Gelände einen großen Eindruck hinterlassen. Es wirkt allerdings ziemlich wahnsinnig, solch eine Anlage für gerade mal jährlich stattfindende Ereignisse zu errichten. Architektonisch ist die Anlage von Mammon geprägt und wirkt unheimlich beeindruckend. Es fällt schwer sich die Dimensionen vorzustellen, wäre die gesamte Anlage fertiggestellt worden. Generell bieten das Gelände und das Dokumentationszentrum einen guten Einblick vor Allem in die frühe Geschichte des NS-Staates und dessen bombastischen Feiern für sich selbst. Die Parteitage auf diesem Gelände dürften ein guter Ort gewesen sein, um die Bevölkerung auf die NSDAP einzustimmen und gemeinsam hinter sie zu stellen.
Nach der (wesentlich ruhigeren) Rückfahrt, wanderten wir noch einmal durch die Altstadt, diesmal im angenehmen Abendlicht und konnten noch ein paar gute Aufnahmen erhaschen. Mittlerweile waren wir allerdings schon ziemlich fertig und immerhin schon 14 Stunden unterwegs. Also suchten wir uns eine (wirklich gute) Pizzeria in der Nähe des Bahnhofes.
Nach dem sehr guten Mahl brachen wir dann schließlich um 21 Uhr im ICE den Rückweg an. Der war zwar noch etwas holprig, aber wir bekamen trotz einer Baustelle bei Aschaffenburg den Anschlusszug am Frankfurter Flughafen. Offensichtlich mussten ausreichend viele Personen in den Zug umsteigen, so dass dieser wartete. Um etwa 0:30 Uhr trafen wir endlich wieder in Siegburg ein und konnten uns etwas wohlverdienten Schlaf gönnen.
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