Archive for the ‘Urlaub’ Category

Berlin – Tag 3

Dienstag, Februar 20th, 2007

Nach einer kurzen Verzögerung folgt jetzt endlich die Fortsetzung und der letzte Tag unsere Berlinaufenthalts. Durch meinem Umzug hat sich das Ganze leider doch etwas verschoben.

Sonntags wollten wir noch einmal ein wenig deutsche Geschichte studieren, diesmal insbesondere die der Grenze innerhalb von Berlin. Aufgrund der recht hohen Eintrittspreise und einer eher populistischen Aufmachung schreckte uns das Museum am Checkpoint Charlie eher ab, hatte ich doch zwei Tage vorher noch von einer recht neuen Gedenkstätte in der Bernauer Straße gelesen. Nachdem wir während des Frühstücks mit Josef gesprochen hatten, war dieser von der Idee anscheinend recht angetan, jedenfalls erklärte er sich bereit, uns wieder einmal mit dem Auto mitzunehmen und mit uns die Gedenkstätte zu besichtigten.

Im Anschluss ans Frühstück brachen wir auf. Natürlich nicht ohne auf dem Hinweg einen kleinen Schlenker zu machen! Erster Halt an diesem Tag war das Invalidenhaus und der Invalidenfriedhof. Diese wurden von der preußischen Armee errichtet, um den ausgedienten Soldaten, einen vernünftigen Lebensabend gewährleisten zu können. Darüber hinaus wurden diese dann auf dem anliegenden Friedhof beigesetzt. Später entwickelte sich das Beisetzen auf dem Invalidenfriedhof als hohe Anerkennung an die Soldaten, so dass sich viele Gräber hoher preußischer Offiziere und Generäle (z.B. von Scharnhorst) finden lassen. Die kleineren Gräber liegen dicht an dicht und offenbaren die hohe Anzahl der Soldaten, die hier wohl begraben wurden. Leider blieb der hintere Teil des Friedhofes nicht von der DDR verschont. Da dieser direkt an der Spree liegt, die hier die Grenze bildete, musste ein Teil dem Todesstreifen weichen. So steht auf dem Friedhof auch heute noch ein Teil der inneren Mauer. Auch an den mauerfreien Stellen erkennt man deutlich die klare Linie zwischen erhaltenen Gräbern und geschliffenen Boden. An der flussseitigen Friedhofsmauer sind Gedenktafeln angebracht: Ironischerweise wurde das erste Maueropfer bei seiner Flucht über einen Friedhof erschossen. Innerhalb einer Wohnanlage, die sich an den Invalidenfriedhof anschließt, steht noch ein alter Wachturm des Todesstreifens. Dieser steht tatsächlich direkt zwischen einigen Häusern, der Bruder des ersten Mauertoten hat wohl beim Erhalt auch eine wesentliche Rolle gespielt. Meiner Ansicht nach ein glücklicher Umstand, wurde doch schon genug von der Grenze innerhalb Berlins abgerissen und somit ein großer Teil jüngerer deutscher Geschichte.

Kurz vor der Bernauer Straße machten wir in den Liesenstraße halt, entlang dieser Straße verlief ebenfalls die Mauer. Über fast die gesamte Länge erstreckt sich auf der östlichen Seite ein Friedhof, die Linie der ehemaligen Friedhofsmauer bildete die Linie der Berliner Mauer. So wurden auch hier viele Meter Friedhof geschliffen, um den Todesstreifen zu schaffen. Einige Teile der inneren Mauer sind auf dem Friedhof noch erhalten, von der eigentlich äußeren nur noch wenige Meter unauffällig am Straßenende. An Stellen wie dieser zeigt sich das blinde Handeln des Staates, der nur darauf bedacht war, seine Bürger und Devisen im Land zu halten und die Kultur anderer nicht im Geringsten zu würdigen wusste. Beim Schlendern über den Friedhof entdeckt man viele unheimlich schöne und alte Grabmale, wie auch eine klare Trennung des Friedhofes durch die verschiedenen Gemeinden. Jede hatte ihren eigenen Eingang. Die Trennung zeichnet sich deutlich auf dem Friedhof ab und es erscheint einem doch kurios, dass man an solchen Stellen im Prinzip eine doppelte Trennung vorfindet. Neben der Trennung Berlins, zerschneiden auch die Gemeinden ihren Friedhof in eigene Teile, statt die Toten gemeinsam beizusetzen. Trotz der starken Eindrücke der jüngsten Geschichte, ist der Zweite Weltkrieg weiterhin nicht zu übersehen, sind doch zahlreiche Grabmale von Projektilen und Granaten gezeichnet. In den letzten Stunden des Dritten Reiches scheinen Grabsteine als stabile Deckung beliebt gewesen zu sein. Im hintersten Teil des Friedhofes findet sich ein Massengrab, in dem zivile Opfer des Krieges begraben sind. Für jeden ist ein Grabstein im Boden eingelassen. Hier wird einem die immense Zahl an Opfern wieder bewusst, die in den letzten Stunden noch immer anstieg.

Auf dem letzten Zwischenstück unterquerten wir am Ende der Liesenstraße die S-Bahn-Strecke. Dort steht nicht nur eine neue Brücke, sondern direkt daneben auch eine alter Brücke der Nordbahn. Diese wurde nach dem Mauerbau stillgelegt, da sie exakt an dieser Stelle die Grenze überquerte. die Schienen wurden zurückgebaut und nur die Brücke zurückgelassen. Nach der Wende konnte die Konstruktion nicht weiterverwendet werden, da sie schon zu sehr gelitten hatte, also wurde direkt daneben eine neue errichtet, um die alte Trasse weiternutzen zu können. Biegt man hinter der Brücke rechts ab fährt man die Gartenstraße entlang, auf der rechten Seite ist eine ehemalige Bahnhofsmauer, die von der DDR einfach zu richtigen Grenzmauer umgebaut wurde. Der dahinter liegende Bahnhof wurde dem Erdboden gleichgemacht um wieder eine ausreichend gute Sicht auf den Grenzbereich zu haben. Heute wurde die Mauer zum Teil bereits wieder restauriert, der hintere Bereich der Anlage wurde zu Beachvolleyballplätzen umfunktioniert.

Von der Gartenstraße biegt man links in die bekannte Bernauer Straße ein. Dort wurde eine Gedenkstätte errichtet. Diese umfasst ein Stück wiederhergestellten Todesstreifen mit beiden Mauern und ein Gebäude inklusive Aussichtsturm. Vom Turm aus kann man von oben in das Stück Todesstreifen blicken, aber auch die Bernauer Straße entlang, die vom ehemaligen Todesstreifen noch deutlich gekennzeichnet ist. Der Großteil des Streifens ist heute mit Gras bewachsen. So erhält man einen guten Eindruck von der abschreckenden Mauer. Im Dokumentationszentrum bekommt man viel Originalmaterial ohne jegliche Bewertung dargestellt. Dies umfasst Zeitzeugenberichte, eine Fotodokumentation, eine Filmdokumentation, Radiomitschnitte, Dokumente des MfS und der Partei und Zeitungsberichte, allesamt aus dem Tagen des Mauerbaus. Die Ausstellung ist sehr sehr interessant, aber man müsste wohl ein zweites Mal vorbeisehen, um den Rest der Informationen aufnehmen zu können. Für einen Tag ist es schlichtweg zuviel auf einmal. Im Erdgeschoss des Gebäudes findet sich noch ein umfangreicher Laden, in dem auch Literatur zum Thema zu erwerben ist. Folgt man der Straße wenige Meter nach Norden kommt man zur Versöhnungskapelle. Diese wurde auf den Grundmauern der Versöhnungskirche errichtet, die zu besseren Einsicht in den Todesstreifen noch 1985 gesprengt wurde. Der Altarraum der Kapelle ist aus Lehm gebaut und von einem Dach aus Holz geschützt. Im Inneren findet sich der alte Altaraufsatz aus der Kirche wieder, das einzige erhaltene Stück Innenausstattung. Vor diesem kann man durch ein Stück gläsernen Boden hinab auf die alten Fundamente und den Kellereingang der alten Kirche sehen. In dem alten Eingang sind sogar Steine der Mauer zu sehen, mit denen dieser zugemauert wurde. So ist die neue Kapelle mit der alten Kirche verbunden und bildet eine Einheit. Ebenfalls im Altarraum gibt es erfreulicherweise kostenloses Infomaterial zur Kapelle und zum Bau. Dies ermöglicht einem einen noch etwas tieferen Einstieg in die Thematik, wenn die ersten Eindrücke etwas gesackt sind. Im Nachhinein ist das etwas, was man an anderen Stellen vermissen könnte, auch wenn diese Art der Information sicherlich nicht ganz preiswert ist.

Auf dem Rückweg nach Hause fuhren wir noch an zwei Häusern vorbei, die von brasilianischen Fußballfans während der WM 2006 gestaltet wurden. Es sind sehr aufwändig gestaltete Graffitis, die einem durchaus die Freude der Brasilianer an ihrer Mannschaft Nahe bringen. Die Spitze der vielen interessanten Graffitis in Berlin, die es dort zu bestaunen gibt. Ein letzter Punkt sollte noch erwähnt werden: Josef zeigte uns einen Hauseingang, der mit Geschlechtsumwandlungen warb, ein besetztes Haus. Auch wenn es bald der Staatsgewalt weichen wird, ein amüsanter Abschluss unserer Berlintour. Die Tür wird wie alles andere Sehenswerte noch in der Fotogalerie erscheinen, die bald folgt.

Am späten Nachmittag fuhren wir wieder mit dem ICE in Richtung Köln.

Berlin – Tag 2

Mittwoch, Februar 7th, 2007

Nachdem wir morgens erneut ausgiebig gefrühstückt hatten, machten wir uns auf den Weg, um uns die “Hidden Places” von Berlin zeigen zu lassen – dieses Mal jedoch zu Fuß.

Unsere Reise durch die Geschichte der Stadt begann dieses Mal mitten auf dem Gendarmenmarkt, wo uns Matthias’ Onkel einen kleinen Einblick in die Entstehungsgeschichte und Besonderheiten des Platzes und seiner Gebäude ermöglichte. Nachdem wir die drei Prachtbauten – den Deutschen Dom, das Konzerthaus und den Französischen Dom – bewundert hatten, wurde unser Blick auf einige Bodenplatten gelenkt, die zur 750-Jahr-Feier Berlins angebracht wurden. Neben Zitaten von einigen Berühmtheiten fanden wir dort auch eine Lücke, aus der eine Platte entfernt worden war. Nach der Wende war es anscheinend nicht mehr erwünscht Berlin als das Symbol für den “Sieg des Sozialismus auf deutschem Boden” darzustellen.

Unser Weg führte uns weiter zu den “Galeries Lafayette”: Ein architektonisches Meisterwerk, das durch seine gläsernen Kegel und Zylinder sehr elegant wirkt. Die Preise für das – zugegebenermaßen vielfältige und hochwertige Angebot – waren jedoch ebenso extravagant wie das Gebäude an sich. Von dort aus setzte sich unser Ausflug in die moderne Architektur unter der Erde fort: Das Gebäude der “Galeries Lafayette” ist unterirdisch mit zwei weiteren Quartieren (so nennt man in Berlin von Straßen umschlossene Blöcke) verbunden, die auch beide auf ihre eigene Art und Weise einzigartig sind. Während sich das eine eher edel und klassich hält, fällt das Andere vor allem durch einen bunten Turm aus gepressten und farbenfroh lackierten Autoteilen auf. Nachdem wir diese architektonische Vielfalt hinter uns gelassen hatten warfen wir einen kleinen Blick in das Sortiment des Schokoladenhauses “Fassbender & Rausch”. Neben Schokoladen und Pralinen aller Art und Nation, können dort leckere Kunstwerke bewundert werden: Ein Brandenburger Tor, ein Reichstag und eine Titanic aus Schokolade! Wer nach diesem Anblick immer noch keinen Appetit bekommen hat, wird ihn vielleicht noch bei dem kleinen Schokoladen-Vulkan bekommen, der in einem der Schaufenster trohnt. Ein sehr lohnenswerter Besuch, was nicht zuletzt noch damit gekrönt wurde, dass ich diesen wunderbaren Ort mit einer Menge Schokolädchen verließ.

Von dort aus ging es weiter zum allseits bekannten Checkpoint Charlie, wo wir jedoch nicht lange verweilten. Unser nächstes Ziel war das Denkmal einer Kirche, die im Krieg zerstört wurde. Böhmische Vertriebene bauten sie dort für ihre kleine Gemeinde auf. An diese Entstehungsgeschichte anknüpfend soll der Name “Mit Sack und Pack” sowie die äußere Erscheinung an das kleine Gotteshaus erinnern: Mitten auf dem Platz steht ein riesiges, buntes, geschnürtes Bündel mit Decken, einem Stuhl, einer Gießkanne, Kinderspielzeug und Allem was ein gewöhnlicher Hausrat im 18. Jahrhundert zu bieten hatte.

Als nächstes führte uns unser Weg vorbei an einem ehemaligen Umspannwerk hin zum ehemaligen Reichsluftfahrtsministerium, in dem heute das Finanzministerium seinen Sitz hat. Dort wurden wir von einem weiteren Kurisorium erwartet: Einem Wandbild aus Meißner Porzellan der frühen DDR (1952/53).

Der nächste Blickfang, von dem wir sehr fasziniert waren, war die tschechische Botschaft. Matthias’ erste Assoziation zu dem braunen 70er-Jahre-Gebäude mit klarer DDR-Tradition war ein Doppel-Whopper. Das besondere an diesem Haus war jedoch nicht nur das äußere Erscheinungsbild: Die gesamte Innenarchitektur bis hin zur einfachen Stehlampe ist noch original 1972.

Nachdem wir uns satt gesehen hatten, gingen wir weiter zur U-Bahn-Station “Mohrenstraße”. Hier fanden wir zunächst einmal den Rest des Marmors aus Hitlers Reichskanzlei. Aber auch die Geschichte der U-Bahn-Station beeindruckte uns, da es sich zu DDR-Zeiten um einen der “Geisterbahnhöfe” handelte, durch die die Westberliner Bahnen mit geschlossenen Türen und Schrittgeschwindigkeit fahren mussten – unter den wachsamen Augen der Grenzpolizei. Ganz in der Nähe belächelten wir dann einen äußerst interessanten Info-Kasten der nordkoreanischen Botschaft, der uns vermitteln wollte, dass Kim Jong-il, der aktuelle Machthaber und Diktator der “Demokratischen Volksrepublik Korea” (Nordkorea), der “liebende Vater” der Nation sei, der in “brüderlichen” Gesprächen mit Südkorea versucht, mit seinem ganzen Herzblut für seine Kinder zu sorgen. Bei einer näheren Betrachtung der Realität kann man diese Formulierungen wohl kaum ernst nehmen. Einen weiteren Zwischenstop machten wir an dem Ort, an dem einst Hitlers Reichskanzlei stand. Ironischer Weise wurde an eben diesem Ort ein Kindergarten errichtet.

Unser Weg zu den Vertretungen der Bundesländer wurde von einigen Graffitis gesäumt, die auf jeden Fall einen Blick wert waren. Die Gebäude der einzelnen Bundesländer taten sich vor allem durch ihre Größe hervor.Die Architektur war größtenteils eher unspektakulär, obwohl uns die außergewöhnliche Hässlichkeit der saarländischen Vertretung in kurzes Erstaunen versetzte. Die gesamte Fassade des Hauses bestand aus verschiedenen Fenstern und Türen, die jedoch nirgens hinführten. Aber auch die Hessen hatten einen sehr kreativen Architekt, was ihr
demnächst auf dem ein oder anderen Foto bewundern könnt.

Das Holocaust-Denkmal besichtigten Matthias und ich nach einer kleinen Einführung durch seinen Onkel auf eigene Faust. Am Ende waren wir uns einig, dass es zwar sehr interessant war, durch diesen Garten aus Beton-Stelen zu wandeln, es jedoch keinesfalls seinen eigentlichen Zweck erfüllte. Keiner von uns wurde durch den Beton an die Ermordung von Juden durch die Nazis erinnert. Treffpunkt war die am besten gesicherte Baustelle der gesamten Stadt: die zukünftige amerikanische Botschaft.

Also ging es weiter zum Potsdamer Platz. Durch seine Architektur bekommt man mit der Zeit wirklich das Gefühl, in einer amerikanischen Stadt zu sein. Der Anblick vom Sony-Center und der DB-Zentrale hat uns sehr beeindruckt. Wir waren alle mehr oder weniger begeistert von den unterschiedlichen Ideen und Fassaden, aber vor allem ließen wir uns über eines der Hochhäuser aus, das mit der Zeit immer mehr Ziegel seiner Fassade verliert, da sie unzureichend befestigt wurden.

Vorbei an der Staatsbibliothek zu Berlin und der St. Matthäus-Kirche, einem Backstein-Bau aus dem späten 19. Jahrhundert, machten wir einen kleinen Halt in der Neuen Nationalgalerie, die ebenfalls durch eine außergewöhnliche Architektur besticht. Nach einer kurzen Pause im Kulturforum führte uns unser Weg weiter zum Tiergarten, der im 16. Jahrhundert ursprünglich als Jagdrevier für den Kurfürsten von Brandenburg gedacht war, nach dem Krieg aber komplett abgeholzt wurde, um die Brennstoffversorgung der Berliner sicherzustellen.
Unser Ziel war das sowjetische Ehrenmal im Tiergarten, welches die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten der Roten Armee ehrt. Im rückwärtigen Teil der Anlage wurden 2.500 sowjetische Soldaten beerdigt. Eine Besonderheit dieses Ortes ist, dass es einst sowjetisches Gebiet in West-Berlin war und von daher einen Sonderstatus inne hatte. Die Präsenz einiger russischer Familien zeigt, dass die Ehrenmale für die Hinterbliebenen der Gefallenen weiterhin von Bedeutung sind.

Unser Weg führte uns weiterhin vorbei am Reichstag, wo wir uns noch einmal an das Diorama aus dem Deutsch-Russischen Museum vom Vortag erinnerten. An der Nordseite des Gebäudes ist außerdem eine Gedenktafel für die Öffnung der Grenzen in Ungarn im Sommer 1989 angebracht, da dieses Ereignis den Fall der innerdeutschen Mauer und die Wiedervereinigung einleitete.

Nach einem kurzen Blick in die Gebäude der Abgeordnetenhäuser und vorbei am Bundeskanzleramt – welches den sehr passenden Spitznamen “Elefantenwaschanlage” erhielt, gingen wir zum Hauptbahnhof. Wir machten diesen unplanmäßigen Schlenker eigentlich nur, weil Matthias ein kleines Problem mit seiner Kamera hatte, welches im dort ansässigen Fotogeschäft behoben werden konnte. Wir ließen uns jedoch nicht davon abhalten, noch einen kleinen Rundgang durch den niegelnagelneuen Bau zu machen, der schon so einige Schlagzeilen gemacht hat.

Von dort aus gingen wir – im Sonnenschein an der Nordseite der Spree entlang – zum Mauermahnmal im Erdgeschoss des Abgeordnetenhauses. Dort stehen einige Mauersegmente auf dem ursprünglichen Mauerverlauf, auf denen jeweils ein Jahr und die Anzahl der Maueropfer in diesem festgehalten wurden. Eine gute Idee, leider ist der Ort für Fremde sehr versteckt. Am gegenüberliegenden Spreeufer wurden mehrere Kreuze für dort erschossene DDR-Flüchtlinge angebracht. Bald kamen wir an einer Brücke an, die wir am Tag zuvor bereits auf einem Foto gesehen hatten, welches in den letzten Stunden des Krieges gemacht wurde und einen jungen, erschossenen MG-Schützen zeigte.

Die letzten paar Meter des Tages führten uns zur amerikanischen Botschaft, die einer Befestigungsanlage gleicht und einem alten Marktgebäude, in dem in vergangenen Zeiten frisches Obst und Gemüse ergattert werden konnte. Ein kleiner Endspurt führte uns jedoch noch weiter zum Internationalen Handelszentrum, einem auffallend hässlichen Hochhaus, das jedoch durch einen architektonischen Trick tuschiert werden konnte. Es wurden zwei Gebäude davor errichtet, die das Haus so gut wie vollständig verdecken und lediglich in der Mitte sichtbar machen. Ein kurzer Besuch im ZDF-Studio und einem VW-Propagandahaus, wo sowohl Autos als auch eine Fotoausstellung über Tierfotografien (um Besucher anzuziehen) präsentiert wurden, beendete unseren Tag nach ca. 6 Stunden Marsch.

Im Berliner Zuhause erwartete uns bereits das Essen. Nach einigen Stunden Pause und einem zufriedenen Rückblick auf den ereignisreichen Tag fuhren wir im Dunkeln in den 13. Stock des Hauses, um uns Berlin bei Nacht anzusehen und einige Fotos zu machen.

Berlin – Tag1

Dienstag, Februar 6th, 2007

Am Donnerstag den 1.2.2007 war es endlich wieder so weit: Ein etwas größerer Ausflug. Maren und ich brachen nachmittags von Köln aus nach Berlin auf. Auch wenn die Bahn bei der Zugteilung in Hamm eine Verspätung erzeugte, kamen wir halbwegs pünktlich im neuen Hauptbahnhof an. Wenn man reisend und hetzend durch den Bahnhof rennt fällt einem die geflügelte Architektur kaum auf. Dieser Effekt wird sicherlich durch die durchgängige Corporate Identity der Bahn erzeugt, die in neuen oder in den letzten Jahren renovierten Bahnhöfen anzutreffen ist. Mit dem RE ging es den endlos langen Weg zum Bahnhhof Friedrichstraße (ca. 30 Sekunden), um dort in die U6 nach Stadtmitte umzusteigen. So waren wir nach knapp 15 Minuten in der Leipziger Straße, wo wir bereits freudig erwartet wurden. Nachdem wir etwas zu Essen zu uns genommen hatten, diskutierten wir die nächsten Tage, um auch ja keine Zeit zu verschwenden.
Freitag Morgen gab es um 8:30 Frühstück; im Anschluss brachen wir zum Ehrenmal in Treptow auf. Der Weg war – wie viele in den nächsten Tagen – um ein paar kleine “Schlenker” ergänzt, so dass es mehr war, als eine bloße Anreise.

Erste Station war die St. Michaelskirche. Im Krieg zerstört, wurde sie in der DDR nie wieder aufgebaut und steht noch immer als Ruine an ihrem Ort. Sie stellt so einen starken Konrast zu den umliegenden Wohnhäusern dar. Von einigen sichernden Maßnahmen wurde die Ruine in ihrem Zustand erhalten und ist von einer Grünanlage mit einem Spielplatz umgeben. Von der Rückseite der Kirche aus blickt man auf das Engelbecken, ein ehemaliges Hafenbecken des heute trockengelegten Luisenstädtischen Kanals. Das Engelbecken ist heute wieder gefüllt und ist mit einer neugestalteten Uferanlage versehen worden. Am ehemaligen Kanal entlang kommt man zu einem Berliner Kuriosum: Im ehemaligen Bereich zwischen Mauer und Zonengrenze baute ein Türke noch zu Zeiten des Kalten Krieges sein Wochenendhaus. Da sich weder der Bundesgrenzschutz noch die Grenzpolizei zuständig fühlte und die DDR ihn duldete, konnte seine kleine Oase fortbestehen und hat die DDR bis heute überdauert. Das Haus ist buntes Flickwerk, das zu einem Ganzen zusammengefügt wurde. Das Gelände ist von einem Zaun aus Maschendraht, Matratzenteilen und Stahlarmierungen umgeben und vor der Haustür präsentieren sich Sofas und ein festbetonierter Tisch. Letzteres ist sicherlich auch auf eine gewisse Beliebtheit bei Besuchern zurückzuführen.

Nach diesem kleinen Schlenker fuhren wir weiter zum Treptower Ehrenmal. Bereits das Eingangsportal empfängt einen mit einer zweisprachigen Botschaft: “Ewiger Ruhm den Helden, die für die Freiheit und Unabhängigkeit der sozialistischen Heimat gefallen sind”. Die Zweisprachigkeit ist im ganzen Ehrenmal wiederzufinden. Sämtliche Inschriften sind auch auf deutsch verfasst. Das Ehrenmal ist um eine zentrale Achse gebaut, an deren Anfang (vom Eingang aus) trohnt ein 60t schweres Abbild der Mutter Russland, die um ihre Gefallenen trauert: Trotz ihrer trauenden Haltung in einer wachsamen, kampfbereiten Haltung. Ihr Abbild ist von einem Halbkreis Pappeln umgeben. Ihr Blick richtet sich gen Osten, einen leicht aufsteigenden breiten Weg hinauf, der mit Birken gesäumt ist. An der Spitze des Weges verneigt sich an jeder Seite ein kniender Soldat vor den Toten und es eröffnet sich der Blick hinab zum eigentlichen Ehrenmal. Seitlich der Soldaten recken sich zwei große, gesenkte, stilisierte Fahnen in den Himmel, die aus dem rot leuchtenden Marmor Hitlers Reichskanzlei gefertigt sind. Von diesem Durchgang aus blickt man auf eine mächtige Statue eines Soldaten, der ein Kind auf dem rechten Arm trägt und mit der Linken ein Schwert zum Boden richtet. Mit diesem wurde gerade das Hakenkreuz unter seinen Füßen zerschlagen. Ein Denkmal eines russischen Soldaten, der ein kleines deutsches Mädchen aus der Schusslinie rettete und an den Folgen starb. Vor der Statue, die auf einem Grabhügel errichtet ist, erstrecken sich fünf wie Massengräber gestaltete Grasflächen mit einem zentrierten Kranz an deren Rand der Weg zur Statue verläuft. Die Außenseite des Weges wird von je acht Sarkophagen gesäumt, rechts mit deutschen Inschriften, links mit russischen. Auf den hellen Sarkophargen sind detailgetreue Szenen dargestellt, auf denen die russische – leicht geschönte – Geschichte des Krieges dargestellt wird. Direkt unter dem Durchgang ruhen die einzigen fünf namentlichen bekannten russischen – dort begrabenen – Soldaten unter einer Gedenkplatte. Die Sarkopharge sind von Eichen umgeben unter denen ein riesiges Massengrab liegt, in dem die russischen Soldaten tatsächlich beigesetzt sind.

Im Anschluss fuhren wir nach Karlshorst, wo das deutsch-russische Museum seinen Sitz hat. Es residiert im ehemaligen Offizierskasino, in dem der zweite Kapitulationsvertrag der Deutschen unterzeichnet und besiegelt wurde, noch heute befindet sich in dem Saal eine perfekte Nachbildung der Tische inkl. Tischdecken, Flaschen, Fahnen etc.. Das Museum beschäftigt sich primär mit der Zeit des Krieges und reflektiert diese ohne jegliche Bewertung. Im Außengelände werden Panzer, Artillerie und Panzerabwehrkanonen ausgestellt, die sehr gut gepflegt sind. Im Museum wird detailliert mit den Vorbereitungen für den Krieg begonnen: Dem Pakt zwischen Hitler und Propagandeplakaten gegen den “jüdischen Bolschewismus”, sowie den Nationalsozialismus. Weitergeführt wird die Ausstellung mit dem Überfall Deutschlands auf Russland. Ausgestellt werden nicht nur Ausrüstung und Uniformen, sondern auch Lagekarten mit denen die Wehrmacht die Offensive plante, die Bereiche in Nord und Süd aufteilte und die Positionen der Verbündeten markiert wurden. Der Verlauf des Feldzugs wird sowohl mit unzensierten Filmbeiträgen, Fotos und Gegenständen als auch mit originalen (geheimdienstlichen und militärischen) Berichten beider Seiten dokumentiert. An das Kriegsgeschehen schließt sich die Dokumentation über den Umgang mit Kriegsgefangenen und Zivilisten an. Bevor der Rundgang in dem Saal mündet, in dem die Kapitulation unterschrieben wurde, bildet ein Diorama über den Sturm des Reichstags den Abschluss. Es folgt eine kurze Ausstellung über die Nachkriegszeit, der wir aber keine weitere Beachtung schenkten. Vor dem Verlassen ließen wir noch die Sonderausstellung auf uns wirken. Dort waren Werke des russischen Fotografen “Boris Ignatowitsch” ausgestellt. Sehr schöne Werke sowohl aus der Vorkriegszeit, als auch seiner Zeit als Fotograf beim russischen Heer. Insgesamt ein sehr lohnender Besuch in einem ruhigen Museum, das für seine umfangreiche Ausstellung keinen Eintritt verlangt. Es wird von einem Verein geführt und die Angestellten arbeiten ehrenamtlich. Literatur zu den behandelten Themen kann an der Gaderobe erworben werden, wo auch eine Plexiglasbox für Spenden aufgestellt wurde.

Nachdem unser Wissensdurst vorerst gestillt war, brauchten wir einen Programmpunkt mit ein bisschen weniger Informationsdichte. Wir fuhren zum Denkmal für die Sozialisten im Stadtteil Lichtenberg. Dort sind viele bekannte Sozialisten begraben, unter anderem Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Die Gräber sind an einer kreisrunden Mauer aufgereiht, die zur Nordseite hin geöffnet ist. Im Zentrum sind in einem Kreis die wichtigsten Persönlichkeiten begraben. In ihrer Mitte trohnt ein großer Stein mit der Aufschrift “Die Toten mahnen uns” und in Richtung Öffnung blickt. Von einer Veranstaltung, die vor Kurzem stattgefunden hatte, waren viele Gräber mit roten Nelken geschmückt. Der mittlere Kreis war mit einer großzügigen Schicht Nelken umgeben, lediglich an der Grabplatte Walter Ulbrichts war eine Lücke gelassen worden. Offensichtlich wurden ihm besonders viele Sympathien entgegengebracht, so dass er eine freie Sicht in den Himmel haben konnte. Auf der Ostseite der Anlage sind viele kleine Gräber verdienter Sozialisten aufgereiht, deren Grabsteine ein einheitliches Erscheinungsbild haben.

Da sich die Sonne langsam senkte, brachen wir wieder auf. Der Weg führte uns entlang der Frankfurter Allee, die einstmals als Stalinallee die Prunkstraße der frühen DDR war. Hier präsentierte sich die erste Generation der prunkvollsten Gebäude, die die Volkswirtschaft produzieren konnte. Die Architektur ist auf der gesamten Länge einheitlich und wird an einem Ende von zwei Türmen eingeläutet. Die propagandistischen und plakativen Absichten die Vorteile des Sozialismus zur Schau zu stellen werden sofort offensichtlich.

Danach ging es kurz vorbei an der ehemaligen Stasizentrale und dem Wohnbezirk, der eigens für Mitarbeiter der Stasi geschaffen wurde, um kurze Wege und eine größtmögliche Kontrolle zu gewährleisten. Die umfangreichen Anlagen zeugen von der großen Betriebsamkeit der Stasi, die anscheinend viele Mitarbeiten beschäftigte.

Der Weg führte weiter Richtung Zentrum und streifte das Märkische Museum. In der Grünanlage vor dem Gebäude ist das Gehege der Berliner Bären, die bei den Berlinern sehr beliebt sind. Das Märkische Museum ist bereits für die Außenansicht einen Besuch wert. Die Architektur zitiert die vielen architektonischen Stile, die in der Mark Brandenburg vorherrschend waren und vereinigt diese zu einem stimmigen Gesamtbauwerk, das zugleich als Kunstwerk bezeichnet werden kann. Trotz der vollkommen unterschiedlichen Stile, sieht das Gebäude von jeder Seite absolut stimmig aus. Auch hier sind kleine Teile der Mauer ausgestellt, die noch unbeschädigte Kunstwerke auf sich tragen.

Unterwegs zum historischen Hafen, gingen wir in die U-Bahn-Station am Märkischen Museum, in der die Stadtgeschichte sowohl mit architektonischen Elementen, als auch durch die Darstellung der äußeren Form Berlins an sich erzählt wird.

Der historische Hafen am Märkischen Ufer beherbergt viele alte Schiffe, die liebevoll restauriert wurden und hier einen Liegeplatz gefunden haben. Diese Ecke ist offensichtlich auch Schlafplatz für viele Vögel der Stadt, die sich lautstark auf den Bäumen einfanden, während die Sonne unterging.

Auf dem finalen Rückweg gab es nur noch einen kleinen Schlenker, vorbei an einer Schule, auf deren Fassade ein Schüler ein Gedicht gesprayt hatte. Leider wurde die Fassade zu dem Zeitpunkt renoviert, da diese bereits eingerüstet war und auch sonst eine Baustelle voll im Gange war.

Zu Hause angekommen, gab es erst einmal Abendessen und eine anschließende Diskussion über den erfolgreichen Tag.

Nachdem Maren ein bisschen Mittagsschlaf gehalten hatte gingen wir gegen 23:30 noch einmal nach draußen, um ein paar Nachtaufnahmen von den Sehenswürdigkeiten zu machen. Wir starteten am Gendarmenmarkt und gingen über Unter den Linden zum Brandenburger Tor. Auf dem Vorplatz des Reichstags war der Wind schon ziemlich stark, so dass die Fahnen wunderschön im Wind wehten. Nachdem ich noch den beleuchteten Bahnhof und die Gebäude am Potsdamer Platz abgelichtet hatte, machten wir uns wieder auf zurück in die Leipziger Straße. Maren war nämlich so langsam aber sicher am erfrieren.

So beendeten wir den ersten Tag und sanken müde ins Bett. Schließlich mussten wir ziemlich früh wieder raus.

Der Rest folgt in den nächsten Tagen, mit Fotos braucht ihr vor nächster Woche nicht zu rechnen ;)

London Update

Sonntag, Oktober 15th, 2006

Ich habe von Donnerstag und Freitag hier einmal ein paar Bilder hochgeladen. Viel Spass beim Ansehen.

Bildergalerie

Matthias

London: Der erste Tag

Freitag, Oktober 13th, 2006

Gestern bin ich endlich hier im großen, bisher sonnigen London angekommen. Die Bahnfahrt von Aachen nach Düsseldorf war problemlos, 5 Minuten Verspätung und die 5€ für die Fahrt von Köln Hbf bis Düsseldorf Flughafen waren ja durchaus eingeplant. Ich hatte ausreichend Zeit, zuviel wie sich innerhalb der nächsten Stunden heraus stellte, denn der Flug hatte locker eine Stunde Verspätung, da das Flugzeu bereits zu spät in Düsseldorf ankam. Hatte sich der Quick-Checkin also voll gelohnt, was allerdings vollkommen reibungslos ablief. Wer keinen Bock hat sich am Schalter anzustellen und auch nur den Funken von Verständnis sollte diese schicken Automaten mal ausprobieren. Wenn ihr Gepäck habt aber darauf achten, dass auch ein Gepäckband daneben steht, sonst wirds echt schwierig.

Der Flug lief gut und zügig, auf Reiseflughöhe angekommen kam natürlich erst einmal das obligatorische Blabla, an das sich allerdings ein Gruß an den “Matze” von der Kollegen der Flugsicherung anschloss. Ab sofort war mein Tag gerettet, sowas passiert einem wohl nur wenn man zwielichtige Gestalten kennt die bei der DFS arbeiten ;) . Das Wetter über London war etwas ruppig, aber sonst machts ja auch keinen Spaß. Nachdem der Flieger nach dem Touchdown einmal um das komplette Terminal herum getingelt war, ging es schnell zum Gepäck holen und dann zur Tube.

Die Tube kann man wohl nur mit etwas gemischten Gefühlen sehen: Absolut vorsintflutlich, klapprig und überfüllt, aber astreine Taktraten und an allen wichtigen Orten gibt es einen Haltepunkt. Und: Man kann seine Tickets mit einer Kreditkarte kaufen, sehr nützlich, wenn man wie ich, noch kein Pfund in der Tasche hat und auch vor dem nächsten Tag eigentlich keins haben wollte. Die Tour dauerte etwa, wie auch vorher angegeben etwas anderthalb Stunden, also eine halbe Ewigkeit, kostete dafür aber auch nur vier Pfund. Der Heathrow Express, mit dem ich wohl ca. 30-40 Minuten gespart hätte, kostet ein vielfaches. Am Haltepunkt Colliers Wood angekommen, viel es natürlich sehr passend an zu regnen als ich rauskam. Typisch England, dachte ich mir. Was allerdings auch typisch zu sein scheint, sind Straßenschilder knapp über Kniehöhe und am Besten noch in einer Hecke. Ideal zu sehen, vor Allem bei Dunkelheit. Zum Glück bin ich nur zwei Straßen zu weit gelaufen, bis ich endlich gemerkt hatte wo ich war und habe das Haus auch auf Anhieb gefunden. Mit Klopfer statt mit Klingel. Ich frage mich ob ich bei meiner normalen Zimmerlautstärke mit solch einer Einrichtung überhaupt noch Besuch bekommen könnte. Nach der Ankunft gabs erst einmal ein gutes deutsches Bier und wir haben ein bisschen geredet, bis irgendwann Lukas’ Kollegin auch nach Hause kam, die mir zum Glück auch Bettwäsche sponserte. Sonst hätte ich wohl im Schlafsack pennen müssen, die Andere war nämlich noch nicht wirklich trocken. Trotz Trockner.

Nach etwa 8 Stunden Schlaf bin ich so gegen zehn Uhr aufgewacht (langsam) und danach Richtung Bad geschwankt um mich erst einmal wach zu duschen. Kurz darauf bin ich dann Richtung Supermarkt aufgebrochen, da es da wohl einen Geldautomat geben sollte. Irgendwann habe ich den dann auch in einer Ecke ganz hinten irgendwo gefunden und mir ein paar labbrige Scheine gegen teures Geld aushändigen lassen. 20 Pfund sehen verdammt wertlos aus. An der Tube-Haltestelle habe ich dann die Oyster-Card die Lukas mir für die Woche überlassen hat mit einem Wochenticket aufgeladen. Kostenpunkt: 26 Pfund. Meiner Meinung nach noch recht human, immerhin kann ich in den 3 Zonen damit für meinen gesamten Aufenthalt soviel mit der Klapperkiste fahren wie ich möchte. Die Karte scheint einen integrierten RFID-Chip zu haben, jedenfalls muss man damit nur kurz über eine gekennzeichnete Fläche fahren und die Türchen öffnen sich.

Mit der hier verkehrenden Northern Line ging es dann gen Norden, um auch etwas von dem guten Wetter mitzubekommen und auch mal das Flüsschen zu betrachten, stieg ich bei London Bridge aus und ging über die Themse. Diese kam mir relativ schmal vor, dafür das es bis zur Mündung nicht mehr wirklich weit ist, aber durch den Rhein ist man anscheinend auch etwas verwöhnt. Jedenfalls schien die Sonne sehr angenehm und ich war schon sehr froh nur meine Fleecejacke üeber das T-Shirt gezogen zu haben und nicht noch mehr Klamotten mitgenommen zu haben. Auf der Suche nach so etwas wie einer Tourist Information stieg ich auf der anderen Seite wieder in die Tube und fuhr weiter bis King’s Cross, in der Hoffnung dort auf das große I zu stoßen. War leider Fehlanzeige, es gab aber trotzdem gute Fotos vom Bahnhof und St. Pancras direkt nebenan. Nach ein bisschen hin- und hergelaufe gabs dann wenigstens eine Wechselstube in der es auch ein paar Werbeflyer gab, in einem war ein Stadtplan enthalten, in dem das Tourist Information Center groß verzeichnet war. Nach der Empfehlung der freundlichen Frau in der Wechselstube, fuhr ich erst einmal bis Picadilly Circus, von dort aus ging es dann zu Fuß weiter.

Natürlich wäre es ja langweilig seine Ziele direkt zu verfolgen, also bin ich erst einmal ein bisschen durch die Gegend spaziert, das Wetter bot es auch wirklich an. Einmal quer über den Leicester Square, vorbei an der National Gallery runter bis zum Trafalgar Square. Die Löwen an dem Denkmal erfreuten sich großer Beliebtheit, teils als Fotohintergrund, teils einfach als simpler Sonnenliegestuhl. Nach ein bisschen ausruhen ging ich runter bis zu den Horse Guards, woran sich er St. James Park anschließt, der wirklich sehr gut gepflegt ist. Endlich machte ich mich auf den Weg zum Visitor Center um mich mit ein paar Broschüren und einer anständigen Karte einzudecken. Dann musste es wenigstens nicht mehr komplett blind durch die Stadt gehen. Anschließend noch eine kurze Visite am Buckingham Palace, da der ja eh auf dem Weg lag. Dort war leider die Hölle los und die Leute fotografierten munter gegen die Sonne ein dunkles Gebäude. Nunja, wem es gefällt, ich ging möglichst zügig weiter, durch den Green Park zur nächsten Tube-Station. Next Stop: Covent Garden. Hier gibt es wohl wirklich einen Laden für jeden Geschmack, mit den entsprechenden Preisen. Nett sind die hier vertretenen Schauspieler und Artisten, die kleine Shows vorführen, natürlich ihr Publikum miteinbeziehend. Hier entschied ich mich auch endlich einmal Mittag zu essen, die Lauferei macht einen doch recht hungrig. Ich schloss noch einen Besuch bei einem Fotoladen an, da ich irgendetwas auf dem Sensor der Kamera habe und hoffte dort etwas zum beheben zu finden. Sollte sich das heute nicht gelegt haben, werde ich einmal bei der Camera Clinic vorbeisehen, einen Flyer davon bekam ich immerhin dort im Laden.

Das letzte Ziel erreichte ich wieder mit der Tube, Ziel war die Tower Bridge, da die Sonne mittlerweile gut stand und auch schon relativ tief hing. Also bis zum Tower Hill gefahren und die Tower Bridge mit ein paar Außenansichten des London Tower kombiniert. Zu meinem Glück fuhr gerade ein Schiff durch die Brücke und ich konnte sie auch einmal in Bewegung sehen. Der Rückweg führte am Themseufer entlang, vorbei an der HMS Belfast bis zur Hay’s Galleria. Dort angekommen war meine Motivation nich viel zu laufen wirklich doch sehr beschränkt, also wieder bei London Bridge in die Tube. Eher zufälligerweise die Station an der ich am Morgen das erste Mal ausgestiegen war. Ich stieg noch einmal in Kenningten aus, um ein bisschen durch Vorstädte zu spazieren. Die Straßen haben sehr modisches, italienisches Flair: Viele Schlaglöcher und sie sind außerordentlich schief. Aber die beschaulichen Häuser die allesamt aussehen wie ein Denkmal, sind doch immer wieder nett anzusehen. Danach fuhr ich wieder zurück bis Colliers Wood um den Abend zu beginnen, Fotos von der Kamera zu laden und schon einmal ein bisschen an dem Text hier zu tippen. Abends unterhielten wir uns noch zu dritt bei einem Bierchen.

Heute Abend treffen wir uns mit unserer Cousine in einem Pub, ich bin einmal auf das gesellschaftliche Londoner Leben gespannt.

Bis die Tage,
Matthias